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Zigaretten werden ein bisschen weniger tödlich

Kippen müssen verbessertem Brandschutz genügen

[10.12.2011/pk] Seit dem 17. November dürfen in der EU nur noch Zigaretten mit "verminderter Zündneigung" in den Handel gebracht werden. Durch Verdickung des Zigarettenpapiers an mehreren Stellen wird weniger Sauerstoff zugeführt, so dass die Zigarette nicht mehr weiter glimmt, wenn nicht daran gezogen wird. Die bisher eingesetzten Brandbeschleuniger, die selbst nicht aktiv gerauchte Zigaretten bis zum Filter verglimmen ließen, werden nicht mehr verwendet. Dadurch sollen Todesfälle und Brände verhindert werden, die durch vergessene oder achtlos weggeworfene Kippen entstehen.

Jährlich sterben mehr als 1.000 Europäer an dieser Hauptursache tödlicher Wohnungsbrände. Die Zahl der tödlichen Unfälle durch glimmende Kippen könnte mit der "selbstlöschenden Zigarette" nach Ansicht von Experten um etwa 40 Prozent sinken. Die entsprechende Regelung war bereits im Jahr 2008 mit der EU-Richtlinie 2008/264/EG verabschiedet worden.

Für die Einführung der selbstlöschenden Zigarette hatte sich die Tabakindustrie eine Frist von drei Jahren erkämpft, die angeblich für die Umstellung ihrer Fabrikation notwendig war. Dabei stellt diese Technik keineswegs eine ungewöhnliche Neuerung dar. In den USA ist sie schon seit vielen Jahren etabliert. In Finnland sind seit April 2010 ausschließlich Zigaretten mit vermindertem Zündpotenzial im Handel. Dennoch hatte die Zigarettenindustrie, die sich so gerne ihrer sozialen Verantwortung rühmt, diesen einheitlichen Sicherheitsstandard auf ihrem globalen Markt nicht schon frühzeitig eingeführt.

Die Tabakdrogenhersteller, denen keine nennenswerten Kosten durch die neue Technik entstehen, haben diese lebensrettende Maßnahme nicht etwa freiwillig eingeführt, sondern sich nur durch gesetzlichen Zwang dazu motivieren lassen. Selbst die vorschriftsgemäße Einführung in den USA und Kanada konnte die Tabakindustrie nicht zu einem Umlenken bewegen. Die Nikotindrogenhersteller haben offensichtlich keinerlei Interesse an derartigen Brandschutzmaßnahmen, wie sie mit ihrer Geschäftspolitik deutlich demonstrieren.

Die "Kollateralschäden" waren den Tabakdrogenproduzenten schon immer egal. Es gibt keine andere Bezeichnung dafür, dass diese Industrie mit ihren Produkten jährlich alleine in Deutschland weit über 100.000 Menschen ermordet - nur um des schnöden Profits wegen. Offensichtlich waren der Tabakindustrie auch die paar Tausend durch einen Brand vorzeitig wegsterbenden Kunden soweit gleichgültig, dass sie freiwillig keine Brandschutzmaßnahmen ergreifen wollte.

Das Desinteresse der Tabakindustrie an der Brandschutzmaßnahme lässt sich jedoch leicht erklären. Für die Tabakindustrie ist jede Zigarette, die sich in Rauch aufgelöst hat, ein Gewinn. Dabei ist es egal, wie oft ein Raucher daran genuckelt hat oder ob die Kippe im Aschenbecher (oder auf dem Gehsteig, Bahngleis, ...) von selbst komplett verglimmt. Durch die selbstlöschende Zigarette müssen die Hersteller nun gewisse Absatzeinbußen befürchten. Denn wenn die Kippe im Aschenbecher von selbst erlischt, muss der Raucher sie nur erneut anzünden, um sie zu Ende rauchen zu können. Bisher war die Zigarette ganz einfach weg, und der Raucher musste einen neuen Glimmstängel anzünden. Bei der gleichen Menge Qualm, die in der Raucherlunge landet, verkauft die Tabakindustrie also weniger Kippen.

Die Marketingpsychologen der Tabakdrogenhersteller hatten selbstverständlich für ihre Ignoranz gegenüber dem Brandschutz eine passende Werbestrategie entwickelt. Übrigens, das Thema Feuergefahr durch Zigaretten oder Brandschutz wurde bisher in der offiziellen Wortwahl der Zigarettenindustrie tunlichst vermieden. Eine Sprecherin des Zigarettenverbandes wird in "ZDF heute" zitiert, ein speziell hergestelltes Papier hatte dafür gesorgt, dass "die Zigarette auch in den Zugpausen gleichmäßig abbrennt und ein schönes Aschebild entsteht".

Jetzt lässt sich die Tabakindustrie, die erst durch ein Gesetz zu etwas mehr Verantwortung verdonnert werden musste, von ihrer Marketingmaschine einen Heiligenschein für die unfreiwillig umgesetzte Maßnahme aufsetzen. Und willfährige Journalisten preisen die neuen Zigaretten überschwänglich als angebliche "Lebensretter". Diese irreführenden Behauptungen lesen sich wie aus der Feder der Tabakindustrie. Eine weitere Kampagne aus der Reihe "Rauchen ist gesund".

Es ist schon seltsam, wie plötzlich vermeintliche Gesundheitsaspekte der Zigarette in den Vordergrund gestellt werden, wo diese doch einen wahren Chemiecocktail giftiger und Krebs erregender Substanzen enthält, einschließlich dem stärksten bekannten Nervengift Nikotin. Denn auch wenn die selbstlöschende Zigarette vielleicht einige Brände und Brandopfer verhindern kann, so ist der Glimmstängel immer noch der Killer Nummer Eins, durch den alleine in Deutschland jährlich weit mehr als 100.000 Menschen zu Grunde gehen.

Natürlich ist jedes Todesopfer weniger ein Erfolg. Aber andererseits ist diese Regelung ein typisches Beispiel für das Versagen unserer Politiker. Die großen Probleme werden völlig ignoriert, und zur Vertuschung dieser Ignoranz wird umso vehementer und mit großem Pomp und Getöse auf Nebenschauplätzen agiert. Dieses Prinzip lässt sich insbesondere bei der Drogenpolitik sehr deutlich beobachten. Mit gewaltigem finanziellen Aufwand wird einer Randgruppe von Konsumenten so genannter illegaler Drogen "geholfen", während Betroffenen die Anerkennung ihrer Nikotinsucht als Krankheit verwehrt wird. Die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans warnt zwar vor Internet-Sucht, aber den Begriff Nikotinsucht findet man in ihren wortreichen Ausführungen nicht.

Fazit: Auch wenn die selbstlöschende Zigarette kurzfristig einige Leben retten kann, so löst sie die um ein Vielfaches größeren langfristigen Probleme und Gefahren des Glimmstängels nicht. Ohnehin fordert die Richtlinie nur, dass 75 Prozent dieser Zigaretten an den verdichteten Stellen ausgehen müssen. Der Rest, immerhin ein Viertel, glimmt ungehindert weiter. Bei Milliarden jährlich gerauchten Zigaretten kann also keinerlei Entwarnung bezüglich der Brandgefährlichkeit gegeben werden. Ein Unglück wie der verheerende Brand im Montblanc-Tunnel, der durch eine weggeworfene Kippe ausgelöst wurde, kann sich weiterhin jederzeit wiederholen.


Quellen und weitere Informationen:

Beschwerdeautomat
Aufforderung zur Ablehnung von Ehrungen und Preisen der Tabakindustrie
Raucher werden weder diskriminiert noch ausgeschlossen
Gesundheitsgefährdung durch Passivrauchen
Petition und Politikeranschreiben für Kinderschutz im Auto
Beschwerde über verqualmte Veranstaltungsstätten (Theater, Konzertsäle, Kinos, ...)
Beschwerde beim Deutschen Presserat über Berichterstattung
Feinstaub wird nicht nur von Kraftfahrzeugen produziert
Anfrage wegen Tabakwerbung in Zeitungen, Zeitschriften etc.
Anfrage wegen Sponsoring durch Tabakindustrie (Verbände und Parteien)
Bitte um Begleichung der Reinigungskosten für Garderobe
Tabaklobby
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