[13.08.2011/pk]
Seit Jahren fordern Ärzte die Anerkennung der Tabakabhängigkeit als Krankheit. Nikotiniker sind der Sucht ebenso hilflos ausgeliefert wie Alkoholiker, sofern sie keine Hilfe erhalten. Die Tabakdrogensucht ist zudem die größte vermeidbare Krankheitsursache, so dass eine Unterstützung bei der Entwöhnung eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte.
Derartige Bemühungen wurden jedoch von der Tabaklobby massiv bekämpft. Die Tabakindustrie interessiert sich nicht für die Opfer der von ihr produzierten und verkauften Drogen, sondern nur für den eigenen Profit. Zudem ist das eigene Image den Nikotindrogenherstellern wichtiger als die Gesundheit ihrer Kunden. Dank dieser selbstsüchtigen Invervention der Tabakindustrie bleibt Nikotinabhängigen eine Unterstützung des Entzugs durch die Krankenkassen verwehrt, im Gegensatz zu Alkoholikern und anderen Drogenabhängigen.
In der Schweiz klagte die Pharmaindustrie gegen diese Praxis, weil sie sich im Vertrieb ihrer Entwöhnungshilfen unzulässig diskriminiert sah. Die Pillenhersteller waren damit vor dem obersten Bundesgericht erfolgreich. Das Gericht urteilte, die Nikotinsucht müsse unter bestimmten Voraussetzungen als Krankheit anerkannt werden. Demzufolge müssten sich Krankenkassen und Versicherungen an den Heilkosten beteiligen. Das Bundesgericht verpflichtete das schweizerische Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Bedingungen festzulegen, wann von einer behandlungsbedürftigen Erkrankung auszugehen sei.... [weiterlesen]
[06.08.2011/pk]
Vor einem Jahr trat in Bayern das neue Gesundheitsschutzgesetz in Kraft, das per Volksbegehren gegen eine scheinbar übermächtige Tabaklobby erkämpft wurde. Auch wenn damit bedauerlicherweise noch kein vollständiger Schutz vor Zwangsmitrauchen erreicht wurde - insbsesondere Kinder sind zu Hause immer noch der Gewalt rauchender Eltern ausgesetzt - so kann der Freistaat hier jedoch einen entscheidenden Fortschritt verbuchen. Die Entscheidung des bayerischen Wählervolks hat das Bundesland zum Vorbild für den Rest der Republik erhoben.
Das bayerische Gesundheitsschutzgesetz hat sich seit seinem Inkrafttreten vor einem Jahr in der juristischen Praxis bewährt. Insbesondere einige Raucherwirte hatten die Veränderungen nicht akzeptieren wollen, und waren bis vor den Bayerischen Verfassungsgerichtshof und das Bundesverfassungsgericht gezogen, um den Volksentscheid rückgängig zu machen oder zu unterlaufen. In mehreren Urteilen hatten die höchsten Richter des Bundes und des Freistaats jedoch nicht nur die Verfassungsmäßigkeit der gesetzlichen Regelung bestätigt, sondern auch der öffentlichen Gesundheit Vorrang vor den wirtschaftlichen Interessen einzelner Wirte eingeräumt.
Der Erfolg der bayerischen Regelung konnte die Unkenrufe vieler rauchender Gastronomen widerlegen, die für den Fall eines Rauchverbots ein dramatisches Kneipensterben vorhergesagt hatten. In diesem Zusammenhang sollte nicht vergessen werden, dass die deutsche Gastronomie bereits seit 1994 kontinuierliche Umsatzrückgänge zu verzeichnen hat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Bundesdurchschnitt setzte sich dieser Trend mit einem Umsatzrückgang von zwei Prozent bei Gaststätten und Cafés fort. Gegen diesen Trend konnte sich Bayern - das Bundesland mit dem strengsten Rauchverbot - mit einem Plus von 1,2 Prozent im Jahr 2010 etwas erholen. Ein klares Zeichen dafür, dass sich die viel gepriesene bayerische Wirtshauskultur eben nicht auf unbeschränkten Tabakdrogenkonsum reduzieren lässt.... [weiterlesen]
Was Philip Morris auf seiner Hauptversammlung verschweigt
[23.07.2011/pk]
27 Milliarden US-Dollar Umsatz und elf Milliarden Gewinn für das Jahr 2010, so lautete die Botschaft der Geschäftsleitung auf der Hauptversammlung der Philip Morris International (PMI). Für die Tabakaktionäre dennoch kein Grund zum Freudentaumel über den finanziellen Erfolg. Denn die schmutzigen Seiten des Geschäfts wurden ihnen ebenfalls vor Augen geführt, wenn auch nicht von der PMI-Geschäftsführung.
Unter den etwa 250 Anwesenden der Aktionärsversammlung befanden sich etwa 40 Aktivisten der Corporate Accountability International. Diese präsentierten den Aktionären in einem "alternativen Jahresbericht" schockierende Details der Geschäftstätigkeit des Tabakdrogenherstellers, die im offiziellen Philip-Morris-Bericht verschwiegen werden.
Der alternative Jahresbericht dokumentiert den "menschlichen Tribut der PMI-Profite und die umfangreichen Taktiken, mit der die Räder geschmiert werden, um diese Einnahmen zu erzielen", so Corporate Accountability International in einer Pressemitteilung. Diese Taktiken reichten vom Verstecken hinter Tarnorganisationen bis hin zur Einschüchterung von Staatsregierungen und deren Verwicklung in langwierige und teure Rechtsstreitigkeiten. Die Tragweite dieser Repressalien erschließt sich, wenn man den gigantischen Gewinn des internationalen Tabakmultis aus dem Nikotindrogengeschäft betrachtet, demgegenüber das Bruttosozialprodukt vieler Staaten geradezu lächerlich erscheint.... [weiterlesen]
Unkontrollierte Expansion der Tabakindustrie in Entwicklungsländern
[16.07.2011/pk]
Vor einem Jahr ging das Bild des zweijährigen nikotinsüchtigen Ardi Rizal aus Indonesien um die Welt, der mit professioneller Hilfe nach vierzig Zigaretten täglich endlich clean wurde. Der Junge aus einem Fischerdorf auf der Insel Sumatra, der noch nicht einmal richtig laufen konnte, erlangte durch ein YouTube-Video traurige Berühmtheit. Sein Schicksal führt der Welt die unkontrollierte aggressive Expansion der Tabakindustrie in den Entwicklungsländern eindringlich vor Augen.
Indonesien befindet sich als drittgrößte Raucherpopulation nach China und Indien fest im Würgegriff der Tabakindustrie. Längst kontrollieren die internationalen Weltmarktführer Altria/Philip Morris, British American Tobacco (BAT), Imperial Tobacco und Japan Tobacco das Nikotindrogengeschäft im Land. Dabei ist es keineswegs der Fall, dass die Zigarettenproduzenten ernsthafte wirtschaftliche Probleme hätten, die nur durch deren aggressive Expansion in die Dritte Welt gemildert werden könnten. Im Gegenteil, die Nikotindrogenhersteller eilen von Rekordgewinn zu Rekordgewinn.
Die Zeche zahlen die Menschen in den ärmsten Ländern, und dort vor allem die Kinder. In Indonesien geben laut einer Studie der Universität Gadjah Mada selbst die allerärmsten Familien mehr Geld für Tabakdrogen aus, als für Grundnahrungsmittel und Bildung. Die Kinder leiden aber nicht nur indirekt durch die Vernachlässigung zu Gunsten von Tabakwaren, sie werden schon in allerjüngsten Jahren zu Kunden der Tabakindustrie herangezogen - wie auch das obige Beispiel verdeutlicht. Bereits Kleinkinder werden an den Glimmstängel gewöhnt.... [weiterlesen]