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Bergeweise gefährlicher Kippenmüll auf Spielplätzen

Studie "Rauchfreie Kinderspielplätze" enthüllt erschreckende Missstände

[10.04.2007/pk] Die Diskussion um ein Rauchverbot auf Kinderspielplätzen steht immer wieder auf der politischen Tagesordnung. Mit gutem Grund, denn Passivrauchen ist besonders für Kleinkinder extrem schädlich, und auch das schlechte Vorbild suchtgetriebener Erwachsener sollte besser vermieden werden. Im wahrsten Wortsinne ein Killerargument ist die Tatsache, dass bereits kleinste Mengen des in den Zigarettenkippen enthaltenen Nikotins für ein Kleinkind zum Tod führen können.

Bislang fehlten jedoch zur Untermauerung der Diskussion um das Rauchen auf Spielplätzen quantitative Aussagen über die tatsächliche Gefährdung, der unsere Kinder an diesen Orten ausgesetzt sind. Tabaklobbyisten und besonders eifrige Raucher behaupteten gar, auf Grund der besonderen Rücksicht der Raucher wäre dieses Thema überhaupt nicht relevant.

Diese letzte Vermutung geht jedoch weit an der Realität vorbei, wie aktuelle Zeitungsberichte zeigen. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg untersuchte zehn Spielplätze, mit schockierendem Ergebnis. Auf jedem einzelnen fanden sich tausende Kippen. Einen traurigen Spitzenplatz nimmt der Spielplatz am Hohenstaufenplatz ein, auf dem über 4.500 Kippen eingesammelt wurden. Und nur vier Wochen nach dieser ersten Reinigungsaktion waren dort erneut mehr als 2.800 Exemplare der stinkenden Zigarettenüberreste sichergestellt worden.

Dieses Ergebnis ist alarmierend. Alleine der Berliner Giftnotruf muss jährlich in über 260 Fällen ausrücken, in denen Kinder eine Nikotinvergiftung durch verschluckte Kippen oder Zigaretten erlitten. Damit ist die Droge nach Medikamenten die zweithäufigste Ursache für Vergiftungen.

Trotz der dramatischen Folgen führt der vielbeschworene Appell an die Vernunft und das Verantwortungsbewusstsein des sogenannten "mündigen Rauchers" bei den Verursachern dieser Misere nicht zu sichtbaren Verhaltensänderungen. Vor einem Jahr wurden auf Antrag der Bezirksversammlung 120 Schilder mit der Aufdruck "Danke, dass sie hier nicht rauchen" aufgestellt. Dieser Appell an das Gewissen der Raucherinnen und Raucher zeigte jedoch keine Auswirkungen auf den Zigarettenkonsum, die meisten der Schilder wurden beschmiert oder abgerissen. Alles in allem also eine nette Geste gegenüber den Rauchern, aber vollkommen wirkungslose Geldverschwendung.

Als Konsequenz fordern die Experten nun ein vollständiges Rauchverbot auf allen Kinderspielplätzen des Bezirks. Mit einem derartigen Verbot konnten im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf bereits gute Erfahrungen verzeichnet werden. Dort war ein Rauchverbot für die Kinderspielplätze im August 2006 ausgeprochen worden. Eine wirkungsvolle Motivation für die Raucherinnen und Raucher, sich auch daran zu halten, stellen Platzverweise und Bußgelder in zwei- bis dreistelliger Höhe dar.

Ähnlich positive Auswirkungen werden aus Magdeburg gemeldet, wo vor einem Jahr ebenfalls eine entsprechende Regelung in Kraft trat. Analoge Planungen sind auch im Hamburger Stadtteil Wandsbek im Gange, dessen 118 Spielplätze in einem Pilotprojekt kippenfrei werden sollen.

Unterstützung für diese Forderungen kommt vom Deutschen Kinderschutzbund. Dazu die Sprecherin Alexandra Jakob: "Da vor allem Kleinkinder vieles schnell in den Mund nehmen, gefährden die großen Mengen an Kippen die Gesundheit der Kinder". Es müsse jedoch auch der langfristigen Gefahr entgegengewirkt werden, dass rauchende Eltern von ihren Kindern ein schlechtes Vorbild liefern, durch das der Nachwuchs ebenfalls zum Tabakkonsum verleitet wird. Die logische Konsequenz lautet daher für die Kinderschützer, alle Spielplätze müssen rauchfrei werden.

Die Rechtsgrundlage auf unterster Ebene stellt das Hausrecht des Bezirks auf seinen Spielanlagen dar. Nach Kommunalrechtsexperten wäre jedoch die Festschreibung des Rauchverbots im Grünanlagengesetz des Landes Berlin die wesentlich einfachere Lösung, so wie sie beispielsweise beim Hundeverbot in den Berliner Parks bereits zur Anwendung kommt. Auch das geplante Landesgesetz zum Schutz der Nichtraucher wäre eine einfache, effektive und umfassende Lösung. Dieses sieht jedoch leider noch kein generelles Rauchverbot auf Spielplätzen vor.

Es wäre problemlos auch auf Bundesebene ein umfassendes Gesetz zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens zu realisieren, ohne jedem Bundesland, jeder Stadt, jeder Gemeinde oder gar jedem Bezirk die Last einer eigenen Regelung aufzubürden. Denn nach wie vor stellt das Bundesrecht die höchste Instanz dar, und der Schutz vor dem gesundheitsschädlichen und Krebs erregenden Tabakrauch fällt eindeutig unter den Schutz der körperlichen Unversehrtheit, der in Artikel 2 des Grundgesetzes festgeschrieben ist. Bislang wurde jedoch ein solches Gesetz von der Tabaklobby verhindert, zu der sich auch eigennützig handelnde rauchende Politiker zählen lassen müssen.

Fazit: Auch wenn sich ein solches Rauchverbot nur lückenhaft überwachen lässt, so wird dadurch jedoch unmissverständlich klargestellt, dass es sich hier nicht um ein Kavaliersdelikt handelt. Die Androhung ernsthafter Sanktionen, ohne die sowieso keine Verhaltensänderung erfolgt, kann nur im Zusammenhang mit einer eindeutigen Rechtslage etwas bewirken. Zudem sendet eine solche Regelung die deutliche Botschaft aus, dass Rauchen eine schädliche und unerwünschte Sucht ist, deren Ausleben keinesfalls als Vorbild für Kinder akzeptiert werden sollte.


Quellen und weitere Informationen:

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Kinderschutz
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21 Millionen rauchende Kinder in Indonesien
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