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Milliardengewinne bezahlt mit Millionen Menschenleben

Was Philip Morris auf seiner Hauptversammlung verschweigt

[23.07.2011/pk] 27 Milliarden US-Dollar Umsatz und elf Milliarden Gewinn für das Jahr 2010, so lautete die Botschaft der Geschäftsleitung auf der Hauptversammlung der Philip Morris International (PMI). Für die Tabakaktionäre dennoch kein Grund zum Freudentaumel über den finanziellen Erfolg. Denn die schmutzigen Seiten des Geschäfts wurden ihnen ebenfalls vor Augen geführt, wenn auch nicht von der PMI-Geschäftsführung.

Unter den etwa 250 Anwesenden der Aktionärsversammlung befanden sich etwa 40 Aktivisten der Corporate Accountability International. Diese präsentierten den Aktionären in einem "alternativen Jahresbericht" schockierende Details der Geschäftstätigkeit des Tabakdrogenherstellers, die im offiziellen Philip-Morris-Bericht verschwiegen werden.

Der alternative Jahresbericht dokumentiert den "menschlichen Tribut der PMI-Profite und die umfangreichen Taktiken, mit der die Räder geschmiert werden, um diese Einnahmen zu erzielen", so Corporate Accountability International in einer Pressemitteilung. Diese Taktiken reichten vom Verstecken hinter Tarnorganisationen bis hin zur Einschüchterung von Staatsregierungen und deren Verwicklung in langwierige und teure Rechtsstreitigkeiten. Die Tragweite dieser Repressalien erschließt sich, wenn man den gigantischen Gewinn des internationalen Tabakmultis aus dem Nikotindrogengeschäft betrachtet, demgegenüber das Bruttosozialprodukt vieler Staaten geradezu lächerlich erscheint.

Gigi Kellett, Leiter der Kampagne "Challenging Big Tobacco" für Corporate Accountability International, kritisiert den offiziellen 89-seitigen Bericht über das Geschäftsergebnis des Konzerns als unvollständig: "Um PMIs Einfluss wirklich zu verstehen, muss man auch die vielen Menschenleben einbeziehen, die nicht in den Büchern erscheinen".

Der alternative Jahresbericht der Organisation Corporate Accountability International enthüllt die versteckten Kosten und die Korruption des gigantischen Zigarettengeschäfts:
  • Tabak tötet alle sechs Sekunden einen Menschen - fast sechs Millionen Menschen jährlich.
  • Im Durchschnitt verliert ein Raucher 15 Jahre seines Lebens und fast die Hälfte aller Raucher stirbt an tabakrauchbedingten Erkrankungen.
  • Tabak verursacht enrome Krankheitskosten und Produktivitätsverluste. Tabak entzieht der globalen Wirtschaft 500 Milliarden US-Dollar, pro Kopf auf der Welt fast 74 US-Dollar.
  • Jeder einzelne US-Dollar, den Philip Morris International an Gewinn einsteckt, belastet die Weltwirtschaft mit 7,39 US-Dollar an Krankheitskosten und Produktivitätsausfall.
"Die Zahl der Todesopfer steigt nicht nur, weil PMI aggressiv ein tödliches und süchtig machendes Produkt vermarktet, sondern auch weil PMI alles in seiner Macht stehende unternimmt, die Bemühungen der Tabakkontrolle zu verhindern", erklärt Bobby Ramakant, Sprecher für Asha Parivar in Indien und für das Network for Accountability of Tobacco Transnationals (NATT). Ramakant kritisiert, dass sich das Kalkül der Tabakindustrie nur um Dollars und Cents dreht, während die Kosten der durch Tabak verursachten verheerenden Schäden explodieren. Mit seiner Forderung an den Philip-Morris-Konzern schließt sich Ramakant den Menschen rund um den Globus an: "Es ist Zeit, damit aufzuhören."

Eine Reihe von Fürsprechern, denen sich auch eine Gruppe von Krankenschwestern angeschlossen hatte, forderte auf der PMI-Hauptversammlung vom Geschäftsführer Louis Camilleri Rechenschaft für diesen "globalen Missbrauch". Sie forderten den Tabakmulti auf, sich nicht weiter in die Gesundheitspolitik einzumischen.

Die Kritik der Aktivisten richtet sich insbesondere gegen die Fokussierung des Philip-Morris-Konzerns auf ungehindertes Wachstum in Entwicklungsländern, "wo die Tabakepidemie ihren größten Tribut fordert". Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der jährlichen Todesopfer weltweit auf etwa acht Millionen ansteigen. Dabei seien 80 Prozent dieser Todesfälle in den Regionen zu erwarten, die PMI mit vernichtender Wirkung angreift.

Die WHO-Tabakkonvention umfasst bereits 87 Prozent der Weltbevölkerung. Seit 2005 in Kraft, gibt dieser internationale Vertrag den Mitgliedsstaaten die Richtung zur Eindämmung der weltweiten Tabakepidemie vor. Er beinhaltet eine Reihe von Maßnahmen zur Tabakkontrolle, die vom Tabakwerbeverbot bis hin zum Rauchverbot am Arbeitsplatz reichen. Unterzeichnet wurde der Vertrag von 171 Staaten sowie der Europäischen Union. Die zentralen Bestimmungen enthalten auch den Schutz der Gesundheitspolitik vor dem Einfluss und Behinderungen durch die Tabakindustrie.

Dennoch, so der alternative Jahresbericht, unterläuft Philip Morris International diesen Vertrag, indem der Konzern lebensrettende Maßnahmen durch eine ausgeklügelte Taktik verhindert:
  • Gerichtsverfahren: Prozesse für den Profit, Schikanen gegen Regierungen.
    Im Jahr 2010 verklagte der Philip-Morris-Konzern mehrere Länder, die strengere Gesetze zur Tabakkontrolle verabschiedeten, beziehungsweise dies zumindest versucht hatten. Bevorzugte Opfer sind vor allem kleinere Länder mit begrenzten Mitteln, die derart teure rechtliche Auseinandersetzungen im Alleingang kaum bewältigen können, wie beispielsweise Uruguay.
  • Umgehen von Werbeverboten: Verkauf eines tödlichen Produkts um jeden Preis.
    Philip Morris International und seine Tochtergesellschaften wenden Marketingstrategien an, die selbst die strengsten Werbeverbote und -regulierungen umgehen. Der Tabakmulti ist eindeutig bestrebt, die hinter der Regulierung stehenden Absichten zu untergraben. Das Sponsoring von Konzerten und Sportveranstaltungen ist auf deren Hauptpublikum ausgerichtet: die Jugend.
  • Regierungspartnerschaften: Untergraben von Gesundheitsschutzgesetzen.
    Philip Morris International ködert Zollbehörden und andere Regierungseinrichtung für Partnerschaften, die angeblich der öffentlichen Gesundheitspflege zu Gute kommen sollen. 2009 unterzeichnete der Konzern eine Vereinbarung mit kolumbianischen Behörden und zahlte 200 Millionen US-Dollar an die Regierung, damit sich diese "Angelegenheiten von beiderseitigem Interesse widmen" könne. 2010 überwies der Tabakmulti die Summe von 10,6 Millionen US-Dollar an die kolumbianische Regierung, im Rahmen der Vereinbarung mit 20 Jahren Laufzeit.
  • Tarnorganisationen: Schlecht verheimlichte Versuche zum Schutz der Tabakdrogenprofite und zur Gewinnung von Einfluss auf die Politik.
    Die Tabakindustrie gründet häufig Organisationen, die von der Tabakindustrie im eigenen Interesse finanziert und gelenkt werden. In Australien finanziert die Nikotindrogenindustrie eine Medienkampagne der "Allianz Australischer Einzelhändler". Diese Kampagne soll den Protest gegen die Pläne der Australischen Regierung zur Einführung von Einheitsverpackungen hinausposaunen, und die Meinungsbildung von Öffentlichkeit und Politik manipulieren.
Angesichts dieser eklatanten Verletzungen der Tabakkonvention durch den Philip-Morris-Konzern stellt Corporate Accountability International folgende Forderungen auf:
  • Philip Morris muss die Einmischung in die Gesundheitspolitik und die Behinderung staatlicher Gesundheitsgesetze zur Rettung von Menschenleben einstellen.
  • Philip Morris muss die rechtlich bindende Tabakkonvention respektieren, die von mehr als 170 Staaten unterzeichnet wurde.
  • Philip Morris muss manipulatives Marketing einstellen, das sich an Kinder und Jugendliche richtet.
  • Philip Morris muss die Klageflut zur Abschreckung und Einschüchterung der Staaten zur Verhinderung von Gesetzen zum Gesundheitsschutz und Einschränkungen des Marketings einstellen.
  • Regierungen und Zivilgesellschaft müssen sich weiter gegen "Big Tobacco" auflehnen, und Bestimmungen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit vor Einmischungen durch die Tabakindustrie einführen und durchsetzen.
Corporate Accountability International, vormals Infact, ist eine Organisation ehrenamtlicher Mitglieder, die sich dem Schutz der Bevölkerung vor unverantwortlichem und gefährlichem Geschäftsgebaren verschrieben hat. Der Name der Organisation steht für das Ziel, Firmen für eine verantwortungs- und rücksichtslose Geschäftspolitik zur Rechenschaft zu ziehen. Seit 30 Jahren setzt sich Corporate Accountability International mit viel beachteten Aktionen gegen eine gewaltige Zahl von Missbrauchsfällen durch Firmen wie Nestlé, General Electric und Philip Morris/Altria zur Wehr. Corporate Accountability ist eine Nichtregierungsorganisation, die offizielle Beziehungen zur Weltgesundheitsorganisation WHO unterhält.

Das Network for Accountability of Tobacco Transnationals (NATT) ist ein Zusammenschluss von mehr als 100 Nichtregierungsorganisationen mit dem Ziel, die transnationalen Tabakkonzerne für die von ihnen verursachten Schäden an Leben und Gesundheit zur Rechenschaft zu ziehen. Im NATT sind Organisationen aus über 50 Ländern vertreten, die sich für eine starke und einklagbare Tabakkonvention engagieren.


Quellen und weitere Informationen:

Beschwerdeautomat
Anfrage wegen Sponsoring durch die Tabakindustrie (Hochschulen und Forschungseinrichtungen)
Peinliche Werbung mit Philip-Morris-Forschungspreis bitte entfernen
Philip-Morris-Forschungspreis existiert nicht mehr
Aufforderung zur Ablehnung von Ehrungen und Preisen der Tabakindustrie
Anfrage wegen Tabakwerbung in Zeitungen, Zeitschriften etc.
Anfrage wegen Sponsoring durch Tabakindustrie (Verbände und Parteien)
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