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Jährlich sterben 600.000 Menschen durch Passivrauchen

Mehr als ein Viertel der Todesopfer sind Kinder

[04.12.2010/pk] Weltweit fordert Passivrauchen mehr als 600.000 Menschenleben jährlich. Unter diesen Todesopfern der Tabakdroge befinden sich 165.000 Kinder, das sind mehr als ein Viertel. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO, die auf Daten von 192 Ländern basiert. Es handelt sich dabei um die erste Studie, die in einem globalen Rahmen die Folgen des Passivrauchens erforscht hat.

Laut WHO-Studie müssen weltweit 40 Prozent der Kinder zwangsmitrauchen. Unter den Erwachsenen sind 33 Prozent der männlichen Nichtraucher und 35 Prozent der weiblichen Nichtraucherinnen dem Tabakqualm ihrer rauchenden Mitmenschen ausgesetzt. Global gesehen sind Kinder vom Passivrauchen besonders stark betroffen. Dabei sind es überwiegend die nächsten Verwandten, deren Qualm die Kinder einatmen müssen. Kinder können der Kontrolle beziehungsweise Aufsichtspflicht der Eltern und damit der Rauchbelastung zu Hause am wenigsten entfliehen. Kinder leiden zudem überproportional stark an den körperlichen Schädigungen, die ihnen durch das Zwangsmitrauchen zugefügt werden.

Durch Passivrauchen verschuldete Todesfälle bei Kindern treten besonders häufig in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommensstatus auf. In den betrachteten afrikanischen Staaten sterben fast fünfmal so viele Kinder am Passivrauchen im Vergleich zu den Erwachsenen. Die Autoren der Studie äußern zu diesem Problem, das Todesopfer unter Kindern insbesondere in Afrika und Südasien fordert: "Die Kombination von Infektionskrankheiten und Tabak scheint eine tödliche Mischung für Kinder dieser Regionen und könnte die Bemühungen behindern, die Sterblichkeit der unter 5-Jährigen zu verringern...".

In den europäischen Industrienationen treten vergleichsweise deutlich weniger Todesfälle durch Passivrauchen bei Kindern auf. Diese Tatsache ist jedoch insbesondere den insgesamt besseren hygienischen Bedingungen zu verdanken, und nicht vorrangig der Rücksicht der rauchenden Erwachsenen. In Westeuropa stirbt kaum noch ein Kind an einer durch Zwangsmitrauchen verursachten Mittelohrentzündung, auch wenn eine solche für die betroffenen Kinder eine äußerst schmerzhafte Erfahrung bedeutet. Die geringere Zahl von Todesopfern unter den europäischen Kindern kann jedoch keinerlei Anlass zur Entwarnung geben. Letztendlich stellt jeder einzelne Passivrauchtote ein sinnloses Opfer einer egoistischen Sucht dar, das von der Tabakindustrie für ihre gigantischen Gewinne billigend in Kauf genommen wird.

Die Autoren der Studie fanden in Bezug auf die erwachsenen Passivrauchopfer heraus, dass sich die Todesfälle "über alle Länder jeglichen Entwicklungsstands hinweg verteilen". Am stärksten betroffen sind hier Frauen, die mit 47 Prozent aller passivrauchbedingten Todesfälle die größte Gruppe stellen. 28 Prozent der Todesopfer sind Kinder, 25 Prozent Männer.

Die Todesfälle stellen jedoch nur die Extremfälle und das Ende einer oft langjährigen Leidensphase durch passivrauchbedingte Krankheiten dar. Durch rücksichtslose Qualmerei werden Nichtraucher um Jahre, teilweise um Jahrzehnte eines gesunden Lebens beraubt. Bei Kindern unter 5 Jahren stehen mit 54 Prozent Infektionen der unteren Atemwege an erster Stelle der Krankheiten, die ihnen durch die Nikotinsucht ihrer Mitmenschen zugefügt werden, 6 Prozent der Kinder leiden wegen Passivrauchens unter Asthma. Bei den Erwachsenen stellen ischämische Herzkrankheiten mit 26 Prozent das häufigste Krankheitsbild auf Grund des Zwangsmitrauchens dar, was insgesamt 379.000 Todesfälle zur Folge hat. An zweiter Stelle steht bei den Erwachsenen Asthma mit 11 Prozent, wodurch fast 37.000 Menschen zu Tode kommen. Weitere 21.000 Passivrauchtote sterben an Lungenkrebs. Durch Passivrauchen verursachte Infektionen der unteren Atemwege kosten insgesamt etwa 165.000 Menschen das Leben, wobei es sich bei den Opfern wie bereits erwähnt überwiegend um Kinder handelt.

An dieser Stelle muss noch einmal betont werden, dass die genannten Opferzahlen nur die Toten durch Passivrauchen beinhalten. Diese Passivrauchtoten sind Opfer einer rücksichtslosen Geschäftspolitik der Tabakindustrie, die für ihre Gewinne über Leichen geht. Diese Tabakindustrie wälzt die Verantwortung jedoch ganz subtil auf die von ihr verführten Raucher ab, in dem sie diese vollmundig als "mündige Raucher" bezeichnet, und deren Sinn für "Freiheit und Toleranz" preist. Das sind zwar große Worte, jedoch völlig unangebracht angesichts der Tatsache, dass jährlich mehr als 600.000 Menschen dieser Nikotinsucht zum Opfer fallen, ohne jemals selbst geraucht zu haben.

Dabei werden in der Studie die so genannten Erstraucher schon von vornherein aus den Passivrauchern herausgerechnet. Es wird also davon ausgegangen, dass selbst ein Gelegenheitsraucher der nur jeden Sonntag zwei Zigaretten raucht, nicht unter den Folgen des Passivrauchens leiden würde. Diese unrealistische Annahme, die nur zu Gunsten unangreifbarer Ergebnisse angewandt wurde, führt zu einer Beschönigung der tatsächlichen Opferzahlen des Passivrauchens. In der Realität muss davon ausgegangen werdenm, dass deutlich mehr Tote durch Zwangsmitrauchen zu beklagen sind, als durch das Studienergebnis suggeriert wird. So merken die Autoren an, "sollten sich die Effekte des Passivrauchens allerdings auf Raucher und Nichtraucher gleichermaßen auswirken, dann läge die Anzahl der Todesfälle durch Passivrauchen um 30 Prozent höher".

Nebenbei bemerkt sollte nicht vergessen werden, dass außer diesen Passivrauchtoten auch noch etwa 5,1 Millionen Menschen jährlich durch ihren aktiven Tabakkonsum versterben. Insgesamt kommen weltweit also mehr als 5,7 Millionen Menschen jedes Jahr durch die "großzügige Unterstützung" der Tabakindustrie ums Leben.

In der Studie werden nicht nur die nichtrauchenden Opfer der Tabakdroge quantifiziert, sondern auch eine weltweite Analyse der Maßnahmen zum Schutz vor dem gesundheitsschädlichen Tabakqualm vorgenommen. Das erschreckende Ergebnis lautet, nur 7,4 der Weltbevölkerung haben überhaupt einen gesetzlichen Anspruch auf Schutz vor Passivrauchen. Allerdings ist selbst dieser formal existierende Schutz in der Praxis recht löchrig, denn die entsprechenden Gesetze werden nur in den allerwenigsten Fällen auch tatsächlich wirksam durchgesetzt.

Dort wo der gesetzliche Schutz vor Passivrauchen auch effektiv verwirklicht wird konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass diese Regelungen die Belastung durch Zwangsmitrauchen in den als Hochrisikoeinrichtungen eingestuften Gastronomiebetrieben um 90 Prozent verringern. Im Allgemeinen wird die Passivrauchbelastung durch wirksame Nichtraucherschutzgesetze um 60 Prozent gesenkt. Diese zeigen zudem als positive Nebenwirkungen eine deutliche Senkung des Tabakkonsums bei permanenten Rauchern und eine höhere Erfolgsquote bei den aufhörwilligen Rauchern, die sich von der Nikotinsucht befreien wollen.

Auf Grund der hohen Zahl von Todesopfern die das Passivrauchen weltweit fordert und den positiven Erfahrungen in allen Ländern mit wirksamen Gesetzen zum Schutz vor Zwangsmitrauchen kommen die Autoren der Studie zu dem Schluss, dass eine sofortige Umsetzung der Tabak-Rahmenkonvention der WHO dringend erforderlich ist, um wirksame Abhilfe zu schaffen. Dazu gehören unter anderem höhere Tabaksteuern und Einheitsverpackungen, sowie ein generelles Verbot von Tabakwerbung.

Damit Kinder und Erwachsene in Zukunft besser vor gesundheitsschädlichem Tabakqualm geschützt werden, ist laut den Autoren "in vielen Regionen die Einbeziehung umfassender Bildungsstrategien erforderlich, um die Belastungen durch Passivrauchen zu Hause zu verringern". Sie argumentieren weiter: "Maßnahmen zur freiwilligen Rauchfreiheit der Wohnungen verringern die Belastungen durch Passivrauchen für Kinder und erwachsene Nichtraucher, reduzieren das Rauchen bei Erwachsenen und offensichtlich auch bei Jugendlichen".

Für die Entwicklungsländer erachten die Verfasser der Studie vor allem ein Ziel als besonders wichtig: "Das Ausgesetztsein dem Passivrauchen gegenüber trägt in den Entwicklungsländern zu den Todesfällen tausender Kinder unter 5 Jahren bei. Unverzügliche Aufmerksamkeit ist erforderlich, den Mythos zu zerstören, die Entwicklungsländer könnten warten, sich mit tabakbezogenen Krankheiten erst dann zu beschäftigen, wenn sie die Infektionskrankheiten bewältigt haben. Gemeinsam führen Tabakrauch und Infektionen bei Kindern zu erheblicher vermeidbarer Sterblichkeit und Verlust aktiver Lebensjahre."

Mediziner vom Department of Preventive Medicine der Keck School of Medicine of USC des USC Institute for Global Health an der University of Southern California in Los Angeles kommentieren die Studie zusammenfassend: "Es ist keine Frage, dass die 1,2 Milliarden Raucher dieser Welt weitere Milliarden Nichtraucher mit Passivrauch belasten, einer krankheitsauslösenden innenräumlichen Luftverunreinigung. Wenige Quellen dieser Luftverschmutzung können vollständig beseitigt werden. Allerdings kann das Rauchen im Haus beseitigt werden, mit erheblichem Nutzen, wie durch diese neue Reihe von Schätzungen angezeigt."


Quellen und weitere Informationen:

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