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Lernresistente Raucher

Studie vermittelt neue Einsicht in Rauchergehirne

[08.03.2008/pk] Angesichts ständig wachsender Erkenntnisse über die Gefährlichkeit und die Schädlichkeit des Rauchens stellt sich die Frage, wie Raucher diese erdrückende Fülle negativer Folgen einfach ignorieren und ungehemmt weiter rauchen können. Eine aktuelle Studie von Read Montague und seinen Kollegen vom Baylor-College in Houston, Texas liefert neue Einsichten, welche Prozesse bei Rauchern anders ablaufen als bei normalen Menschen, die nicht rauchen.

Das verblüffende Ergebnis dieser Studie: Raucher verdrängen die Konsequenzen ihres Handelns. Nicht nur in Bezug auf ihren Tabakkonsum zeigen Raucher eine gewisse Lernresistenz.

Das Experiment der Forscher des Baylor-College für Medizin scheint zunächst gar nicht mit dem Rauchen in irgendeiner Verbindung zu stehen. Die Versuchspersonen hatten die Aufgabe, eine Summe von 100 US-Dollar in Aktien anzulegen. Nachdem die Probanden ihre Entscheidungen getätigt hatten, zeigten die Forscher die Kursentwicklung der gewählten Investments auf. Neben dem erzielten Gewinn wiesen sie auch darauf hin, wieviel mit einer optimalen Anlageentscheidung zu erzielen gewesen wäre.

Die Wissenschaftler verfolgten die Hirnaktivität während des Entscheidungsprozesses mit einem funktionellen Magnetresonanztomografen. Alle Probanden, Raucher wie Nichtraucher, erhielten die Informationen über ihre Investitionen, so dass sie abschätzen konnten, ob sie ihre Gewinne erhöhen oder die Verluste vermindern können. Der Gehirn-Scan zeigte bei allen Versuchspersonen, Rauchern wie Nichtrauchern, eine stabile neuronale Antwort auf derartige Fehlentscheidungen. Vereinfacht ausgedrückt registrierte also das Gehirn bei allen gleichermaßen, dass die Entscheidung falsch war.

Die weitere statistische Auswertung nach einer Vielzahl von Wiederholungen dieses Versuchs ergab, dass die Versuchspersonen damit jedoch völlig unterschiedlich umgingen. Die Nichtraucher berücksichtigten die Differenz zwischen ihrem tatsächlich erzielten und dem maximal möglichen Gewinn bei ihren weiteren Anlageentscheidungen. Es fand also ein intelligenter Lernprozess statt, bei dem die Konsequenzen alternativer Handlungen in den Entscheidungsprozess einflossen. Die Erkenntnis der falschen Entscheidung führte also zu einer veränderten Verhaltensweise.

Interessanterweise war genau das bei den rauchenden Versuchspersonen nicht der Fall, und zwar unabhängig davon, ob sie während des Experiments rauchen durften oder auf Entzug waren. Sie verfügten über genau die gleichen Informationen zu Handlungsalternativen und deren Konsequenzen wie die Nichtraucher. Dennoch ignorierten sie die vorhandenen Alternativen einfach, anstatt sie in ihren weiteren Entscheidungsprozessen zu berücksichten. Vereinfacht ausgedrückt haben die Raucher also nicht aus ihren Fehlern gelernt. Wie der Gehirn-Scan zeigte, kam die Information zwar im Gehirn an, wurde jedoch offensichtlich nicht entsprechend weiter verarbeitet.

Das würde erklären, warum sich Raucher trotz Aussicht auf Lungenkrebs, Herzinfarkt und Raucherbein nicht von ihrem Glimmstängel abbringen lassen. Die gesündere Alternative, nämlich einfach auf die Kippen zu verzichten, wird einfach ausgeblendet. Die Forscher vermuten, dass die Unfähigkeit zur Verarbeitung der Konsequenzen alternativer Verhaltensweisen für viele Suchterkrankungen charakteristisch ist. Dieser Verdrängungsmechanismus trägt vermutlich auch dazu bei, "dass Raucher und andere Suchtkranke an ihrer Droge hängen bleiben".

Ob in diesem Verhalten die Ursache oder eine Wirkung des ständigen Drogenmissbrauch darstellt, können die Forscher noch nicht beantworten. Die Fachliteratur bestätigt jedoch die Ergebnisse: "Raucher wählen normalerweise lieber direkt verfügbare Belohnungen, auch wenn sie kleiner ausfallen als eine spätere Alternative, stellten Wissenschaftler sowohl mit realen als auch fiktiven solchen fest".

Auch eine 2006 veröffentlichte Studie ergab: "Zigaretten wirken sich auch auf das Gehirn aus. Sie schädigen vor allem die Regionen, die für Aufmerksamkeit und Erinnerung zuständig sind. "

Fazit: Auch wenn die Studie Baylor-College einen interessanten Einblick in das für Außenstehende oft uneinsichtig wirkende Verhalten von Rauchern gibt, so kann das keinerlei Entschuldigung für das Rauchen selbst sein, und erst recht nicht für rücksichtsloses Ausleben der Sucht auf Kosten der Mitmenschen.


Quellen und weitere Informationen:

Beschwerdeautomat
Gesundheitsgefährdung durch Passivrauchen
Petition und Politikeranschreiben für rauchfreie Krankenhäuser
Medizin
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Ärzte vertuschen Rauchen als Todesursache
Rauchverbot in der Öffentlichkeit fördert rauchfreies Zuhause
Raucher sehen früher alt aus
Bundeszahnärztekammer weist auf Tabakkonsum als unterschätzte Gefahr im Mundraum hin
Jährlich sterben 600.000 Menschen durch Passivrauchen
Raucher neigen stärker zu Komatrinken, Übergewicht und Geisteskrankheiten
Das Fetale Tabaksyndrom
Studien & Umfragen
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