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Rauchfreie Gastronomie in Deutschland auf Erfolgskurs

Erstmals Mehrheit der Raucher für Rauchverbot

[02.07.2012/pk] Laut einer Umfrage im Auftrag des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) steigt die Zustimmung in der Bevölkerung zur rauchfreien Gastronomie weiter an. Mehr als drei Viertel der Gesamtbevölkerung (77,5 Prozent) befürworten ein Rauchverbot in Gaststätten. Vor dem Inkrafttreten der Nichtraucherschutzgesetze im Jahr 2005 lag die Zustimmung nur bei 53 Prozent. Besonders bemerkenswert an den Umfrageergebnissen ist die Tatsache, dass 2012 erstmals eine Mehrheit der Raucher (51 Prozent) positiv gegenüber der rauchfreien Gastronomie eingestellt ist.

Die aktuelle repräsentative Umfrage wurde von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) durchgeführt. Befragt wurden 2000 Personen über 16 Jahren in Deutschland. Die Zustimmung zu einem Rauchverbot in Gaststätten ist unter den Nichtrauchern mit 93 Prozent am höchsten. Aber auch Exraucher befürworten eine rauchfreie Gastronomie zu 87 Prozent, bei den Gelgenheitsrauchern sind es immer noch beachtliche 71 Prozent.

Die Umfrage zeigt auch, dass die Befürworter der rauchfreien Gastronomie in allen politischen Lagern eindeutig in der Mehrheit sind. Erstaunlich ist, dass neben den Wählern der Grünen auch die Anhänger der CDU/CSU mit über 80 Prozent die höchste Zustimmung zum Rauchverbot zeigen. Aber sogar in der Piratenpartei, die von Tabaklobbyisten gerne als neue Raucherpartei hochstilisiert wird, sprechen sich zwei Drittel der Anhänger klar für eine rauchfreie Gastronomie aus.

In der Pressemitteilung zur Veröffentlichung der Studienergebnisse kritisiert das Deutsche Krebsforschungszentrum den "Flickenteppich aus unterschiedlichen und schwer handhabbaren Ausnahmeregelungen, die gravierende Einbußen beim Gesundheitsschutz mit sich bringen und vor allem zu Lasten der Beschäftigten im Gastgewerbe gehen". Das DKFZ setzt sich daher "nachdrücklich für eine bundesweit flächendeckende Einführung der rauchfreien Gastronomie ein". Weitestgehender Schutz vor Passivrauchen in der Gastronomie existiert bisher nur in Bayern und dem Saarland. In Nordrhein-Westfalen zeichnet sich ebenfalls ab, dass die neu gewählte Landesregierung "einen konsequenten und rechtssicheren Nichtraucherschutz nach bayerischem Vorbild" einführen wird.

Die Tabaklobby versucht mit Hilfe von ihr gesponserter Wirteorganisationen, weitere Nichtraucherschutzgesetze durch Panikmache vor Kneipensterben zu verhindern und bestehende gesetzliche Regelungen wieder aufzuweichen. Genau ein Jahr nach Inkrafttreten des Bayerischen Gesundheitsschutzgesetzes verkündet der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (BHG) den Niedergang der Gastronomie auf Grund angeblich "erheblicher Einbußen" durch das Rauchverbot, der durch eine eigene "Studie" bestätigt werde.

Bereits vor der Durchführung seiner "Studie" hatte der BHG die Bilanz des bayerischen Rauchverbots vorweggenommen. Die Süddeutsche Zeitung zitiert den Verband: "Während die Speisegastronomie keine signifikanten Veränderungen in der Besucherfrequenz und beim Umsatz feststellt, klagen Bars, Discos, Coffee-Shops, Gaststätten und Kneipen, die sogenannte getränkegeprägte Kleingastronomie, über erhebliche Einbußen - bei Gästezahl und Finanzen."

Mit Hilfe einer Umfrage des Münchner Instituts für Marktforschung wollen nun die Gegner des Rauchverbots Lockerungen für die getränkeorientierte Gastronomie erreichen. Diese Rauchverbotsgegner setzen sich aus den Bayerischen Gastronomenverband, sowie den Frontgruppen "Bürger für Freiheit und Toleranz" (BFT) beziehungsweise "Verband zum Erhalt der Bayerischen Wirtshauskultur" (VEBWK) zusammen. Lauf Gastronomenverband "wurden in einem aufwendigen Verfahren zwischen Mai und Juli dieses Jahres in 410 von rund 6700 Kleinbetrieben in Bayern Interviews durchgeführt", über 80 Prozent davon getränkeorientierte Gaststätten und Kneipen.

DEHOGA-Geschäftsführer Frank-Ulrich John tönte großspurig, "erstmals werden verschiedene Behauptungen mit repräsentativen Fakten belegt". In der Süddeutschen Zeitung wird DEHOGA-Vorstand Angela Inselkammer zitiert, "bei den Wirtshäusern und Kneipen [ist] genau das eingetreten, worauf wir im Voraus hingewiesen haben: rückläufige Umsätze, die viele kleinere Betriebe vor das wirtschaftliche Aus stellen". Laut VEBWK-Vorsitzendem Franz Bergmüller hat sich bei den "Wohnzimmern des kleinen Mannes" bei 67 Prozent der Umsatz verringert, durchschnittlich um 28 Prozent. Angeblich wären vor allem "Stammtische und Schafkopfrunden abgewandert" und bei "64 Prozent aller Befragten sind seit dem Rauchverbot weniger Gäste gekommen - rund 30 Prozent". Bodo Meinsen, Vorsitzender der "Bürger für Freiheit und Toleranz" sieht in den Umfrageergebnissen "die Bestätigung, dass mit dem bayerischen Rauchverbot eine falsche Wirkung erzielt wird, die auf dem Rücken der Kleingastronomie ausgetragen wird".

Bei all diesen plakativen Zahlen unterschlagen die Rauchverbotsgegner jedoch konkrete Zahlen zu ihrer wichtigsten These, dem angeblichen Kneipensterben. Kritiker beurteilen die Umfrage als "schlicht unseriös und nicht repräsentativ", wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Zur Lage der bayerischen Gastronomie im rauchfreien Zeitalter liegen nun konkrete und verlässliche Daten des Bayerischen Landesamts für Statistik und Datenverarbeitung vor. Diese bestätigen die Kritiker der Gastronomenumfrage voll und ganz. Ironischerweise zeigt die amtliche Statistik, dass sich die wirtschaftliche Situation gerade in dem am meisten bejammerten Bereich, der getränkegeprägten Gastromie, äußerst positiv entwickelt hat.

Anders als die Lobbyistenverbände der Tabakindustrie und die von ihr gesponserten Wirteorganisationen verlauten lassen, schaffte die bayerische Gastronomie mit der Einführung des Rauchverbots die Kehrtwende und verzeichnete einen deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Bereits 2011 meldete das Bayerische Landesamt für Statistik eine Umsatzsteigerung im bayerischen Gastgewerbe von nominal 5,0 Prozent im ersten Dreivierteljahr sowie eine Steigerung der Baschäftigtenzahl um 0,6 Prozent. Die Zahlen beziehen sich jeweils auf den vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Laut Statistikamt profitierten beide Bereiche des Gastgewerbes, also Beherbergung und Gastronomie, von der positiven Entwicklung.

Dieser positive Trend setzte sich auch weiter fort. Wie das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung zu Beginn des laufenden Jahres mitteilte, liegt der Umsatzzuwachs bei getränkegeprägter Gastronomie deutlich über dem Durchschnitt. Der Getränkeausschank in Bayern stieg zum November 2011 im Vergleich zum Vorjahr nominal um 7,7 Prozent. Dabei war gerade diesem Bereich (der viel zitierten "Eckkneipe" ohne Speisenangebot) von der Tabaklobby der totale Untergang durch ein Rauchverbot prognostiziert worden.

Fazit: Die amtliche bayerische Statistik liefert mit ihren Erkenntnissen Rückendeckung für einen verbesserten Nichtraucherschutz in Nordrhein-Westfalen - wie auch für die Forderung des DKFZ nach einem flächendeckenden Schutz in ganz Deutschland. Nach dem erfolgreichen Volksbegehren führte Bayern als Vorreiter (in Deutschland) das erste umfassende Nichtraucherschutzgesetz in der Gastronomie ein, das am 1. August 2010 in Kraft trat. Seitdem geht es in der bayerischen Gastronomie wieder bergauf.


Quellen und weitere Informationen:

Beschwerdeautomat
Beschwerde über Verstoß gegen Gleichstellung behinderter Menschen
Petition zum Schutz der Beschäftigten in der Gastronomie vor Zwangsmitrauchen
Abschiedsbrief an Restaurant wegen Rauchbelastung
Anfrage nach rauchfreien Restaurants
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