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Fotodokumentationen

Zigaretten sind für Teenager illegale Drogen

Handel versorgt Minderjährige rechtswidrig mit Tabakdrogen

[02.04.2011/pk] Unlängst verbreiteten die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und die Bundesdrogenbeauftrage euphorisch die Meldung, die Zahl der rauchenden Minderjährigen wäre auf den "historischen Tiefstand" von "nur" 13 Prozent gesunken. Diese Nachricht zeugt einerseits von einem kurzen Gedächtnis unserer Politiker, was die geschichtlichen Fakten betrifft. Anderseits werden damit illegale Geschäftspraktiken der Tabakdrogenproduzenten und -händler völlig verharmlost, denen Millionen Teenager zum Opfer fallen.

Über viele Jahre hinweg stieg die Zahl der rauchenden Jugendlichen trotz der Tätigkeit der BZgA und der Bundesdrogenbeauftragten immer weiter an. Dass nun der Trend endlich gebrochen wurde, kann sich weder die BZgA noch die Bundesdrogenbeauftragte als eigenen Erfolg auf die Fahnen schreiben. Beide haben das Problem eher verwaltet und mit unzähligen Statistiken geschmückt, anstatt es wirksam zu bekämpfen.

So erfreulich die Entwicklung der rückläufigen Raucherzahlen bei Jugendlichen ist, so wenig Grund besteht zu einer derartigen demonstrativen Euphorie und Selbstbeweihräucherung. Es ist erschreckend, dass immer noch 13 Prozent aller Minderjährigen illegal rauchen. Während bei anderen illegalen Drogen um jedes einzelne Opfer und jeden einzelnen Süchtigen ein wortgewaltiges Theater veranstaltet wird, so scheint der illegale Tabakkonsum seitens der Bundesregierung als Kavaliersdelikt betrachtet zu werden.

Ein Indiz dafür ist beispielsweise der Bericht "Daten zur Rauschgiftkriminalität und zu den Drogentoten 2010 in Deutschland" der Bundesdrogenbeauftragten, nachzulesen auf deren Website. Dort steht wörtlich geschrieben: "Im Jahr 2010 starben 1.237 Menschen an ihrem Drogenkonsum". Die mehr als 3.000 Passivrauchtoten, und gar erst die über 100.000 toten Raucher verschweigt die Bundesdrogenbeauftragte schamhaft. Da hier, unter anderem auch auf Grund der tödlichen Langzeitfolgen, die Trennung zwischen legalem und illegalem Tabakdrogenkonsum sehr schwierig ist, ignoriert man die Opfer ganz einfach komplett.

Diese Zusammenhänge zeigen sehr deutlich, dass die Bundesregierung das Problem immer noch sehr gleichgültig handhabt. Von einem Erfolg kann erst dann wirklich mit gutem Gewissen gesprochen werden, wenn die Quote der illegal rauchenden Jugendlichen nicht höher ist, als bei anderen illegalen Drogen. Davon sind wird noch um viele Größenordnungen entfernt.

Politik und Presse führen die Öffentlichkeit völlig in die Irre. Die Nachrichtenmagazine "Spiegel" und "Focus" plappern unkritisch die Lobeshymnen der Politiker nach, dass "nur noch 13 Prozent der Jugendlichen rauchen". Dass dies jedoch Hunderttausende illegal qualmender Teenager bedeutet, ist ihnen keine Bemerkung wert. Mit großem Getöse lamentieren Journalisten und Politiker über die Konsumenten von so genannten harten illegalen Drogen. Wenn aber Hunderttausende Minderjährige illegal Tabakdrogen konsumieren, dann ergehen sie sich in absurde Lobeshymnen.

Dabei sind die Millionen Kinder, die seit Jahrzehnten der Tabakdroge zum Opfer fallen, nur eine Seite der Medaille. Denn dahinter steckt ein organisiertes bundesweites Netzwerk von Tabakdrogenhändlern, das die Grenzen der Legalität schon längst überschritten hat. Darüber können auch werbeträchtige Kampagnen wie "Jugendschutz: Wir halten uns dran" nicht hinwegtäuschen. Es sind nicht ein paar Kriminelle aus dem Untergrund, die ein paar Hundert oder wenige Tausend Süchtige mit irgendeinem illegalen "Stoff" versorgen. Es sind die völlig offen und unverblümt agierenden Zigarettengeschäfte, Kiosks und Zeitschriftenläden, aber auch Gastronomen und Tankstellen, die hunderttausende Jugendliche täglich illegal mit Glimmstängeln versorgen.

Augenscheinlich liegt hier bei Politikern wie Ordnungsbehörden die Priorität beim Geschäft und den damit verbundenen Gewerbesteuereinnahmen, anstatt beim Jugendschutz. Das Problem wird immer wieder solange diskutiert, bis die verbalen Ergüsse letztendlich wieder im Sande verlaufen. Wirklich wissen will es kaum jemand. Eine der wenigen Ausnahmen davon bildet das Ordnungsamt der Stadt Bocholt, das mittels jugendlicher Testkäufer Einzelhandelsgeschäfte und Kioske kontrollierte. Fast die Hälfte der besuchten Händler verkaufte illegal, unter Missachtung der Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes, Tabakdrogen an Minderjährige.

Mit der Falschaussage, Tabakkonsum sei eine völlig legale Angelegenheit, betreiben Tabakdrogenhändler und Zigarettenhersteller Stimmungsmache gegen alle Bemühungen um eine Verbesserung des Schutzes vor Tabakdrogen und Zwangsberauchung. Sowohl Tabaklobby als auch Raucher werden bei Diskussionen ums Rauchen nicht müde, dessen vermeintliche Legalität zu betonen. Und nachdem Zigaretten angeblich völlig legal seien, könne man nicht einfach das Rauchen im Auto, in der Wohnung, in der Gegenwart von Kindern verbieten.


Quellen und weitere Informationen:

Anmerkungen:

Nachtrag vom Mai 2011:
In ihrem soeben veröffentlichten Drogen- und Suchtbericht 2011 schreibt die Bundesdrogenbeauftragte:
"Das Ziel der Bundesregierung in der Nachhaltigkeitsstrategie ist, den Anteil der Raucher bei Kindern und Jugendlichen bis zum Jahr 2015 auf unter 12% und bei Erwachsenen auf unter 22% nachhaltig zu senken."

Die Bundesregierung will sich also weitere vier Jahre Zeit lassen, um den illegalen Tabakkonsum bei Minderjährigen um gerade einmal einen Prozentpunkt zu senken. Bei diesem Schneckentempo dauert es noch über 50 Jahre, bis Kinder vor den illegalen Machenschaften der Tabakdrogenindustrie geschützt werden. Ganz offensichtlich haben es unsere Politiker wirklich nicht eilig, unsere Kinder aus den Klauen dieser mörderischen Industrie zu befreien. Diese zögerliche und völlig unverbindliche Zielsetzung ohne konkrete Erfolgskontrolle deutet darauf hin, dass der Sumpf des illegalen Zigarettenvertriebs an Jugendliche gar nicht wirksam bekämpft werden soll.

Die Verwendung des Begriffs "nachhaltig" ist in diesem Zusammenhang ebenfalls völlig irreführend. Nachhaltig scheinen hier nur die Bemühungen - ganz im Sinne der Tabakindustrie - zu sein, die Zahl der illegal rauchenden Jugendlichen nahezu konstant zu halten.

Beschwerdeautomat
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Petition für ein Verbot von Tabakautomaten zur Durchsetzung des Jugendschutzes
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Beschwerde über BDTA wegen Nichtentfernens von Tabakwarenautomaten in Schulnähe
Anzeige wegen jugendgefährdender Tabakwerbung
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