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EU-Kommission will Europa vom Tabakqualm befreien

Jugendschutzverstöße und gefährliche Zusatzstoffe im Fokus

[23.10.2010/pk] Die EU-Kommission rief im Juni 2009 zur Befreiung Europas vom Tabakqualm bis zum Jahr 2012 auf, womit sie einem Vorschlag des Europäischen Rats folgte. Der Rat hatte empfohlen, die Mitgliedsstaaten dazu aufzurufen, alle Bürgerinnen und Bürger vor gesundheitsschädlichem Tabakrauch zu schützen. Dazu sollten alle Mitgliedsstaaten bis zum Jahr 2012 entsprechende Gesetz erlassen. Die Europäische Union will entsprechend die EU-Tabakrichtlinie 2001/37/EG überarbeiten.

Wie der zuständige EU-Gesundheitskommissar John Dalli gegenüber der Welt erklärte, konkretisiert die EU nun diese Pläne. Bereits im kommenden Jahr sollen die Gesetze zum Schutz vor Tabakgiften verbessert werden: "Ziel der neuen Gesetzgebung für Tabakprodukte wird sein, Rauchen in allen EU-Ländern weniger attraktiv und weniger gesundheitsschädlich zu machen". Als Idealziel nennt Dalli ein rauchfreies Europa.

Zur Verbesserung des Schutzes vor Passivrauchen fordert der EU-Kommissar die konsequente Durchsetzung rauchfreier Zonen. Insbesondere sei ein vollständiges Rauchverbot in allen öffentlichen Räumen, Verkehrsmitteln und am Arbeitsplatz erforderlich. Dalli gegenüber der Welt: "Ausnahmen für Eckkneipen oder Bierzelte halte ich nicht für sinnvoll, denn es geht hier nicht nur um die Gesundheit der Besucher, sondern auch der Angestellten." Er kritisiert die Haltung von Gastronomen, die den wirtschaftliche Vorteil über die Gesundheit der betroffenen Menschen stellen. Wirtschaftliche Argumente seien keine Rechtfertigung für Ausnahmeregelungen beim Rauchen.

Tabakgifte sind die wichtigste vermeidbare Ursache für eine Vielzahl von Krankheits- und Todesfällen in der EU. Zur Entschärfung dieser Gefahren schlägt der EU-Gesundheitskommisar, so die Welt, "eine maßgebliche Reduktion toxischer und süchtig machender Inhaltsstoffe in Zigaretten, wie Nikotin" vor. Als wichtige Maßnahme zur Eindämmung des Tabakdrogenkonsums schlägt Dalli vor, den Zugang zu Tabakwaren durch eine Verbannung aus den Auslagen der Geschäfte zu erschweren. Das ab 2011 in Großbritannien geltende Verkaufsverbot für Kippen im Supermarkt sieht der Gesundheitskommissar als "vorbildlich" an.

Die tödliche Anziehungskraft der Tabakdrogen soll durch einheitliche und schmucklose Verpackungen weiter verringert werden: "Die Zigarettenschachtel sollte künftig so schlicht aussehen, dass sie nicht zum Kauf verführt", so der EU-Kommissar gegenüber der Welt. Weitere wünschenswerte Änderungen an den Zigarettenverpackungen seien abschreckende Warnbilder und ausführliche Hinweise zu schädlichen Inhaltsstoffen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) begrüßte die Pläne der EU-Kommission, das Rauchen weniger attraktiv zu machen und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken zu verringern. Der vzbv fordert im Interesse der Raucher und Verbraucher ein Verbot gesundheitsschädlicher und suchtverstärkender Zusatzstoffe in Tabakprodukten. Dr. Stefan Etgeton, vzbv-Fachbereichsleiter für Gesundheit und Ernährung: "Zusatzstoffe im Tabak, die das gesundheitsschädliche Potential verstärken und die Abhängigkeit steigern, sind zum Schutz der Verbraucher in Gänze zu verbieten". Entsprechend müsse auch der Vertrieb rauchloser Tabakprodukte, wie beispielsweise der schwedische Snus, auch weiterhin verboten bleiben. Etgeton: "Außer den finanziellen Interessen der Hersteller gibt es keinen Grund für die Einführung dieser gesundheitsschädlichen Produkte auf dem europäischen Markt."

Ein besonders wichtiger Aspekt der Prävention betrifft die Jugend. Laut EU-Gesundheitskommissar rauchen in der Europäischen Union 35 Prozent aller Minderjährigen. Der vzbv hofft deshalb, eine überarbeitete EU-Tabakrichtlinie könne vor allem Jugendliche besser schützen. Denn die Tabakindustrie versucht gezielt Frauen und Jugendliche durch ansprechende Verpackungen und den Zusatz von Aromastoffen als Neukonsumenten zu gewinnen, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg (DKFZ) herausgefunden hat.

Anlässlich der Eröffnung der Diskussion um die Neufassung der EU-Tabakrichtlinie 2001/37/EG hat das DKFZ die Publikation "Europaweit einheitlicher Schutz vor den Gefahren des Tabaks" herausgegeben. Auf der Basis des neuesten Forschungsstandes gibt sie Empfehlungen für einen verbesserten Gesundheitsschutz von jugendlichen und erwachsenen Verbrauchern.

In diesen an die Europäische Kommission gerichteten Empfehlungen plädiert die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland für einheitliche Tabakproduktverpackungen mit großen, bildgestützten Warnhinweisen, ein Verbot jeglicher Zusatzstoffe in Tabakprodukten und die uneingeschränkte Aufrechterhaltung des Verbots rauchloser Tabakprodukte.

Zur Begründung für einheitliche und schmucklose Tabakproduktverpackungen führt das DKFZ an, die Hüllen würden von der Tabakindustrie als Werbeträger genutzt: "Mit auffälligem Design machen sie die Verbraucher auf das Produkt aufmerksam und sprechen speziell unterschiedliche Zielgruppen an - vor allem Jugendliche und Frauen. Eine einheitliche Verpackung nimmt der Tabakindustrie diese wichtige Werbemöglichkeit und dient gleichzeitig der Tabakprävention."

In der Pressemitteilung des DKFZ anlässlich der Vorstellung des Berichts erläutern die Heidelberger Krebsforscher weiter: "Zusatz- und Aromastoffe machen Zigaretten insbesondere für Jugendliche attraktiver, erleichtern das Rauchen und verstärken außerdem das Suchtpotential von Zigaretten. Die Tabakindustrie verwendet für ihre Produkte rund 600 Substanzen von Aromen über Feuchthalte- und Klebemittel bis hin zu Farbstoffen als Zusatzstoffe. Sie machen mindestens rund zehn Prozent des Gesamtgewichts einer Zigarette aus. Zum Schutz der Jugendlichen und der erwachsenen Verbraucher sollten jegliche Zusatzstoffe in Tabakprodukten verboten werden."

Über rauchlose Tabakprodukte, die in der EU mit Ausnahme von Schweden verboten sind, urteilen die Heidelberger Mediziner: "Rauchlose Tabakprodukte enthalten Nikotin, machen abhängig und schädigen die Gesundheit. Sie erleichtern vor allem Jugendlichen den Einstieg in die Tabakabhängigkeit. Zum Schutz der Jugend und zum Schutz vor den Gesundheitsgefahren rauchloser Tabakprodukte muss dieses Verbot unbedingt beibehalten werden."

Karl-Heinz Florenz, Abgeordneter des Europäischen Parlaments, sieht die empfohlenen Anpassungen der EU-Tabakrichtlinie als wichtigen Schritt in Richtung Prävention: "Wir müssen alles Menschenmögliche tun, damit unsere Jugend erst gar nicht zum Glimmstängel greift. Des Weiteren unterstütze ich eine Überprüfung der Zusatz- und Aromastoffe, denn hier ist eine europaweite einheitliche Regelung dringend erforderlich."


Quellen und weitere Informationen:

Beschwerdeautomat
Petition zum Erlass eines generellen Rauchverbots an Schulen
Petition für ein Verbot von Tabakautomaten zur Durchsetzung des Jugendschutzes
Beschwerde über illegale Tabakwarenautomaten in Schulnähe
Beschwerde über BDTA wegen Nichtentfernens von Tabakwarenautomaten in Schulnähe
Anzeige wegen jugendgefährdender Tabakwerbung
Tabaklobby
Politik
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