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Zigarettenkippen sind Sondermüll

Raucher betrachten die Welt als ihren Aschenbecher

[11.06.2011/pk] Bei den Auswirkungen des Rauchens auf die Mittmenschen wird meist nur die damit verbundene Luftverpestung und das Problem des Zwangsmitrauchens wahrgenommen. Eine ebenso gravierende Vergiftung der Umwelt durch Raucher stellen achtlos weggeworfene Zigarettenkippen dar. Die Süddeutsche Zeitung schreibt, "Zigarettenstummel einfach wegzuwerfen, ist ein Fehler". Dabei handelt es sich um "weit mehr als nur ein ästhetisches Problem". Durch die weggeworfenen Kippen gelangen "Hunderte schädliche Chemikalien in die Umwelt". Besonders giftig sind dem Bericht zu Folge die Reste von Filterzigaretten.

Allerorten lässt sich tagtäglich beobachten, wie Raucher ihre Kippen mit der größten Selbstverständlichkeit einfach fallen lassen. Manche fühlen sich dabei ganz offensichtlich sogar richtig cool, wie sie ihre ausgelutschten Zigarettenstummel möglichst elegant (wie sie zumindestens selbst zu glauben scheinen) von sich schnippsen. Wie die Süddeutsche schreibt, werden von den weltweit jährlich gerauchten 5,6 Billionen (eine Zahl mit zwölf Nullen!) Zigaretten auf diese Weise 4,5 Billionen unsachgemäß entsorgt.

In Stückzahlen stellen diese Kippen die häufigste Verschmutzung der Umwelt dar. Raucher behandeln die Natur wie ihren persönlichen Aschenbecher, ohne Rücksicht auf ihre Mitmenschen und das empfindliche Ökosystem. Dabei können sie sich nur in den wenigsten Fällen auf Unwissenheit über ihr Handeln berufen. Denn die meisten Raucher reagieren nicht etwa mit Verständnis oder gar Einsicht, wenn man sie auf dieses Verhalten anspricht. Im Gegenteil, die häufigste Reaktion ist aggressive Widerrede, nicht selten gar mit der Androhung von Prügeln verbunden - was auch immer wieder in die Tat umgesetzt wird, wie zahllose Zeitungsmeldungen belegen.

Wissenschaftler der San Diego State University hatten in einer Studie an Fischen die Gefahr erforscht, die von den Zigarettenstummeln ausgeht. Dabei fanden sie heraus, dass bereits eine Kippe pro Liter Wasser Fischen den Garaus macht. Wie die Autoren in ihrer unlängst veröffentlichten Studie erläutern, wird eine Vielzahl von Chemikalien im Tabakanbau und der Zigarettenherstellung verwendet, die sich häufig auch im Endprodukt wiederfinden.

Die Forscher untersuchten auch die Schädlichkeit der einzelnen Komponenten der Zigarette. Im Rahmen der Erwartungen lag die hierbei gewonnene Erkenntnis, dass gerauchte Filter ohne Tabakreste eine etwas geringere Schadstoffmenge beinhalten. In diesem Fall erwies sich etwa die doppelte Menge an tabakfreien Filtern als tödlich für die Versuchstiere.

Ein für die Wissenschaftler überraschendes Ergebnis brachten jedoch die Filter ungerauchter Zigaretten zu Tage, die ebenfalls eine tödliche Wirkung auf die Fische zeigten. Verantwortlich für diese Gefahr sind offensichtlich schädliche Chemikalien, die den Filtern und der Papierummantelung beigefügt werden.

Tabaklobbyisten reden sich bei Tierversuchen von Tabakprodukten gerne darauf heraus, dass derartige Ergebnisse angeblich nicht auf den Menschen übertragbar wären. Diese kurzsichtige Argumentation geht jedoch an der Realität vorbei, denn der Mensch lebt nicht isoliert in seinem Ökosystem. Insbesondere Fische sind ökologisch von besonderer Bedeutung, wie die US-amerikanischen Forscher unterstreichen, da sie sogenannte Bioindikatoren für den Gesundheitszustand der Gewässer darstellen. Die Süddeutsche Zeitung fasst diese Erkenntnis mit folgendem prägnanten Satz zusammen: "Wenn es den Fischen schlecht geht, leiden alle Tiere in diesem Lebensraum".

Die Studie der Wissenschaftler aus San Diego lieferte nun erstmalig detaillierte Zahlen zur Schädlichkeit von Zigarettenkippen für Fische. Bereits seit langem ist belegt, dass Wasserflöhe und Mikroorganismen des Meeres unter der Schadstoffbelastung des Wassers durch Kippenmüll leiden. Dies wirkt sich auf alle weiteren Nachfolger in der Nahrungskette aus, an deren Ende der Mensch steht.

Die Relevanz dieser Ergebnisse ergibt sich nicht nur aus der gigantischen Zahl von Billionen achtlos weggeworfener giftiger Kippen, die sehr häufig im Wasser landen. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, ist jedes dritte bei Aufräumaktionen an den Küsten unseres Planeten gefundene Stück Müll ein Zigarettenstummel. Der giftige Kippenmüll ist damit häufiger anzutreffen als Plastiktüten.

Durch den Regen werden die Giftstoffe auch aus den Zigarettenkippen herausgewaschen, die nicht direkt in den Gewässern landen. Städtische Grünanlagen, aber auch (angeblich rauchfreie) Bahnhöfe und Gehsteige sind oftmals geradezu mit einem Teppich von Kippen übersät. Das gleiche trifft beispielsweise auf Skipisten zu, von denen die Hinterlassenschaften rücksichtsloser Raucher mit der Schneeschmelze in die Gewässer gespült werden.

Dr. Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Abteilung Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), erklärte gegenüber der Süddeutschen Zeitung: "Die Filter können bis zu 50 Prozent des Teers aus dem Zigarettenrauch aufnehmen". Damit reichern sich die Filter mit giftigen und Krebs erregenden Substanzen in hoher Konzentration an. Neben Nikotin finden sich in den Zigarettenstummeln Arsen, Blei, Kupfer, Chrom und Cadmium. Wie Pötschke-Langer ausführt, gelangen auf diesem Weg jedes Jahr etwa 90 Tonnen an Nikotin und über eine Tonne Arsen in die Umwelt.

Gefährdet werden dadurch nicht nur Fische, auch Menschen fallen dieser Umweltverschmutzung immer wieder direkt zum Opfer, insbesondere Kleinkinder. Bei ihnen kann schon eine einzige verschluckte Kippe zu ernsthaften Vergiftungssymptomen bis hin zum Tod führen. Jährlich müssen in Deutschland 10.000 Kinder wegen Vergiftungen im Krankenhaus behandelt werden, 20 Prozent davon wegen Nikotinvergiftung.

Aus diesem Grund fordert das Deutsche Kinderhilfswerk ein Rauchverbot auf Spielplätzen. Ein solches ist jedoch nur dann wirksam, wenn es einerseits durch unterstützende Kampagnen und Hinweisschilder begeleitet wird, und andererseits Verstöße nachhaltig sanktioniert werden. Denn trotz der Existenz landesweiter Rauchverbote auf Spielplätzen in Bayern fand das DKFZ im vergangenen Jahr beispielsweise in Würzburg durchschnittlich 54 Kippen. In Heidelberg mit seinem kommunalen Rauchverbot hingegen waren es durchschnittlich 16 Kippen - weil Schilder am Spielplatzeingang auf die Verantwortung der Eltern und das Recht der Kinder "auf gesunde Spielräume" hinweisen.

Fazit: Zigarettenkippen sind tödliche Zeitbomben. Tiersterben und vergiftete Kinder sind bei weitem nicht die einzigen Symptome. Auch Waldbrände und sogar der verheerende Tunnelbrand im Montblanc-Tunnel sind der verbreiteten Unsitte geschuldet, dass Raucher die Welt als ihren Aschenbecher betrachten.


Quellen und weitere Informationen:

Anmerkungen:

Nachtrag: Tierschutzverbände warnen: "Trinkt ein Hund beispielsweise aus einer Pfütze in der Zigarettenkippen liegen, kann dies tödlich enden" (Quelle: Bund deutscher Tierfreunde).
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