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Wissenschaftler fordern Verbot von Mentholkapsel-Zigaretten

Raucher von Mentholzigaretten bei der Entwöhnung weniger erfolgreich

[09.06.2012/pk] Zigaretten mit Mentholkapseln sind eine neuere Erfindung der Tabakindustrie, die das anrüchige Image des Rauchens übertünchen und die Verkaufszahlen für Tabakdrogen wieder ankurbeln sollen. Vermutlich schielt die Tabakindustrie dabei neidisch auf den Erfolg der elektronischen Zigarette, die mit diversen Aromen enorme Steigerungsraten verzeichnet.

In Japan und den USA sind mit Menthol aufgeputschte Zigaretten besonders bei Jugendlichen äußerst beliebt. Bereits die Hälfte aller minderjährigen Raucher konsumiert in diesen Ländern Mentholzigaretten. Die Wirkung des Menthols in der Zigarette ist mit dem Gebrauch eines WC-Frische-Sprays vergleichbar. Schädliche Inhaltsstoffe werden weder unschädlich gemacht noch entfernt, sondern nur der widerwärtige Geschmack und Geruch des Tabakqualms übertüncht. Die kühlende und leicht betäubende Wirkung ermöglicht ein tieferes Inhalieren, indem die natürliche Abwehrreaktion des Körpers ausgeschaltet wird. Dadurch potenziert sich die gesundheitsschädliche Wirkung der im Tabakrauch enthaltenen Schadstoffe.

In den vergangenen Monaten wurden in einigen europäischen Ländern, darunter Österreich, die Schweiz, Italien und Frankreich, Zigaretten mit einer im Filter enthaltenen Mentholkapsel eingeführt. Durch Zerdrücken dieser Kapsel setzt der Raucher die darin enthaltene Aromaflüssigkeit frei. Experten des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) warnen vor diesen Zusätzen, die den Einstieg in die Tabakdrogensucht erleichtern und damit insbesondere die Bemühungen zur Verbesserung des Jugendschutzes aushebeln. Die Krebsforscher fordern ein Verbot derartiger Produkte und Zusatzstoffe, da diese ein gesundheitsgefährdendes Produkt noch gefährlicher machen würden.

Laut Dr. Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention am DKFZ, sei gemäß Tabak-Rahmenabkommen der WHO alles zu vermeiden, "was auch immer die Zigarette schmackhafter macht". Besorgnis erregend an den Kapseln ist, so die Krebsexpertin, dass sie das Einbringen weiterer Zusatzstoffe ermöglichen. Die Einführung derartiger Produkte müsse deshalb verhindert und bereits auf dem Markt befindliche überprüft werden. "Statt um eine Verbotsorgie geht es um nötige Regulierungen, um Zigaretten weniger attraktiv zu machen", so die Wissenschaftlerin.

Nach einer Erhebung des Deutschen Krebsforschungszentrums ist die Werbung für die "Zigarette mit dem Click" ganz klar auf die Zielgruppe der Jugendlichen ausgerichtet, die offensichtlich besonders empfänglich für den "Frischekick" des Menthols ist. Dieses ist in geringerer Dosierung als Zusatzstoff in den meisten Zigaretten enthalten, nicht nur in ausdrücklich als Mentholzigaretten gekennzeichneten Tabakdrogen. Laut DKFZ-Experten besteht hier ein großes Gefährdungspotenzial durch die Tabakindustrie, die ihren amerikanischen Erfolg von Mentholzigaretten bei Jugendlichen auch auf Europa und insbesondere Deutschland als größtem europäischen Tabakmarkt auszuweiten versucht.

Die Kippen mit der Kapsel bilden jedoch nur den Anfang einer neuen Verkaufsstrategie der Tabakdrogenindustrie zur Erweiterung ihrer Produktpalette. Die Experten des DKFZ verweisen dabei auf die Patentschriften der Aromakapseln: "Die patentierten Geschmacksrichtungen reichen von Kaffee, Vanille, Schokolade und Minze bis hin zu Lavendel, Zimt, Ingwer, Anis, Lakritz sowie zu den meisten Obstsorten. Das Rauchen soll dadurch eine frische, süße, blumige, fruchtige oder würzige Note bekommen, auch Kräuter- oder Süßwarengeschmack werden angeführt." Es ist sicherlich kein Zufall, dass gerade Minderjährige davon besonders angesprochen werden. Denn trotz der Abgabeverbote von Tabakwaren an Jugendliche in allen EU-Staaten beginnen 80 Prozent aller Raucher ihre oft leidvolle Nikotindrogenkarriere viele Jahre vor dem Erreichen ihrer Volljährigkeit.

Menthol in Tabakwaren erleichtert nicht nur den Einstieg in die Nikotinsucht, es behindert auch signifikant die Erfolgschancen eines Ausstiegsversuchs. Laut einer US-amerikanische Studie erhöht der Zusatzstoff das Risiko eines Scheiterns beim Versuch, sich von der Tabakdroge zu befreien. Große Unterschiede ergeben sich dabei zwischen den Gruppen verschiedener ethnischer Herkunft. Bei Afro-Amerikanern scheitert die Nikotinentwöhnung von Mentholzigarettenkonsumenten überdurchschnittlich häufig. Noch stärker ausgeprägt ist die ausstiegshemmende Wirkung des Menthols bei Rauchern lateinamerikanischer Abstammung.

Die Wirkung des Menthols in Tabakwaren, die sich kurz und prägnant mit dem Slogan "Leichter Einstieg, schwerer Ausstieg" charakterisieren lässt, spielt also offensichtlich eine herausragende Schlüsselrolle für die Tabakindustrie. So verwundert es nicht, dass die großen Tabakkonzerne Menthol nicht nur zur effizienteren Rekrutierung jugendlicher Raucher einsetzen.

Wie die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA feststellte, nehmen die Werbestrategien der Tabakindustrie auf geradezu zynische Weise inbesondere Menschen dunkler Hautfarbe ins Visier. Die Tabakdrogenkonzerne "entwickelten spezifische Marken und maßgeschneiderte Marketing-Strategien, um Mentholzigaretten an Afro-Amerikaner zu vemarkten", so die FDA. "Die Mentholzigaretten werden pro Kopf unverhältnismäßig häufig an Afro-Amerikaner vermarktet", als Ergebnis werden "Mentholzigaretten überproportional von afro-amerikanischen Rauchern geraucht".

Laut FDA konsumieren 83 Prozent der afro-amerikanischen Raucher Mentholzigaretten, während der Anteil unter den weißen Rauchern bei 24 Prozent liegt. Fast 50.000 Amerikaner mit afrikanischem Migrationshintergrund sterben jedes Jahr an den Folgen ihres Tabakkonsums. Schwarze Frauen erkranken häufiger an Lungenkrebs als an Brustkrebs. Schwarze Männer erkranken um 50 Prozent häufiger an Lungenkrebs im Vergleich zu weißen Männern.

Entsprechend stark ist der Wunsch zum Aufhören bei den afro-amerikanischen Rauchern ausgeprägt. Eine weitere Studie konnte zeigen, dass gerade diese Bevölkerungsgruppe einem Verbot von Menthol als Zusatzstoff in Tabakwaren konsequenterweise besonders aufgeschlossen gegenüber steht. Während der US-amerikanische Durchschnitt zu mehr als 50 Prozent ein Menthol-Verbot befürwortet, sprechen sich über 70 Prozent der Afro-Amerikaner entschieden für mentholfreie Zigaretten aus.

In etlichen Ländern, darunter auch die USA, sind gewisse Zusatzstoffe bestimmter Geschmacksrichtungen bereits verboten. Früchte, Kaffee, Nelken und andere Gewürze fallen unter dieses Verbot, nicht jedoch Menthol. Offensichtlich hat die Tabaklobby die Politik wieder einmal erfolgreich mit einem typischen Ablenkungsmanöver hinters Licht geführt. Indem sie einige harmlose und unwichtige Zusatzstoffe einem Verbot opferte, konnte die Tabakindustrie Fakten schaffen und Menthol als einen der wichtigsten und gefährlichsten Zusatzstoffe umfassend auf dem Markt etablieren.

Auch in Deutschland vermarktet die Tabakindustrie ihre Mentholprodukte immer aggressiver. Helmut Schmitt, Altkanzler und uneinsichtiger Ignorant der Nichtraucherschutzgesetze, ist die Ikone der Schleichwerbung in Fernsehen und Presse für das Rauchen im Allgemeinen und für Mentholzigaretten im Besonderen.

Fazit: Menthol ist für die Tabakindustrie von strategischer Bedeutung bei der Anwerbung Minderjähriger und zur Hintertreibung der Ausstiegsbemühungen süchtiger Tabakkonsumenten. Eine Politik, die den Gesundheitsschutz der Bevölkerung und vor allem den Schutz Minderjähriger nicht nur als leere Worthülsen begreift, muss Menthol als Zusatzstoff in Tabakwaren ausnahmslos verbieten.


Quellen und weitere Informationen:

Beschwerdeautomat
Gesundheitsgefährdung durch Passivrauchen
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Zusatzstoffe
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