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Wie rücksichtsvoll sind rauchende Autofahrer?

AvD-Umfrage liefert Auftraggeber BAT werbegerechte Ergebnisse

[17.04.2010/pk] Seit einigen Jahren führt der Automobilclub von Deutschland (AvD) im Auftrag von British American Tobacco Germany die Studie "Rücksicht - kommt gut an" durch. Die aktuellsten Ergebnisse stellte der AvD vor wenigen Tagen auf der Messe "Auto Mobil International" (AMI) in Leipzig vor.

Demnach verzichten rauchende Autofahrer nun angeblich "aus Rücksicht auf ihre Mitfahrer immer öfter auf die Zigarette am Steuer". Diese Tatsache wäre an sich recht erfreulich, aber leider sind Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieses Ergebnisses angebracht. Denn in den vergangenen Jahren hatte die Studie ergeben, dass die mit Abstand stärkste Motivation auf den Rauchverzicht im Auto der Werterhalt des Fahrzeugs war, und die Rücksicht auf Mitfahrer weit abgeschlagen rangierte.

Der AvD hatte damals harsche Kritik geerntet. Nicht für das Studienergebnis, das der Club (hoffentlich) nicht vorsätzlich beeinflusst hat, sondern für die Vermarktung dieses schockierenden Ergebnisses als besondere Rücksichtnahme der betreffenden Autofahrer. Wie der Trend nun innerhalb derart kurzer Zeit umschlagen konnte - ganz im Sinne des beauftragenden Tabakkonzerns BAT - bleibt ein großes Fragezeichen. Eine leicht geänderte Fragestellung in der Umfrage alleine genügt schon, um hier ein viel positiveres Bild rauchender Fahrzeuglenker zu erhalten. Leider ist die Studie - wie praktisch alle von der Tabaklobby beauftragten - nicht im Detail einsehbar, so dass diese Frage nicht geklärt werden kann.

In diesem Zusammenhang ist weiterhin festzustellen, dass die Bezeichnung "Studie" für diese von der Tabakindustrie gekaufte Leistung des AvD zumindest übertrieben, wenn nicht gar Hochstapelei, ist. Denn eines wird aus der doch recht werbeorientierten Pressemitteilung des AvD (auch aus früheren Jahren) anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse klar: es handelt sich lediglich um eine Umfrage unter rauchenden Autofahrern, die an Rastplätzen angesprochen wurden, aber nicht um eine neutrale objektive Analyse.

Selbst wenn es sich bei der angewandten Methode der "freien Leitfaden-orientierten Gespräche" um ein anerkanntes Umfrageverfahren handelt, so lässt alleine die Interpretation dieser "freien Gespräche" doch recht viel Spielraum. Und diesen Spielraum scheint der AvD, zumindest wenn man die voreingenommene Pressemitteilung betrachtet, zu Gunsten des Tabakkonzerns BAT auszunutzen, der diese Studie finanziert und beauftragt hat. Zudem ist das Ergebnis nicht repräsentativ, da keine repräsentative Stichprobe für die Befragung zu Grunde gelegt wurde.

Des Weiteren wurden die Autofahrer direkt zu ihrem Rauchverhalten befragt, so dass sie bereits aus dem Titel der Studie "Rücksicht - kommt gut an" schon erahnen konnten, was von ihnen erwartet wurde. Wie der AvD bereits in früheren Jahren anlässlich dieser Studie äußerte - und dieses Jahr in seiner Pressemitteilung wohlweislich verschwieg - wollten "sich viele Fahrer von ihrer besten Seite zeigen".

Eine weitere Aussage der Umfrage ist, dass Raucher häufiger Pausen einlegen. Das klingt zunächst sehr positiv, verwundert aber eigentlich auch niemanden. Denn ein von der Sucht getriebener rücksichtsvoller Raucher, der in seinem Wagen nicht raucht, muss zur Suchtbefriedigung einfach öfter anhalten.

Negativ fällt bei der AvD-Pressemitteilung jedoch die manipulative Darstellung dieser Aussage auf. Nur vordergründig harmlos ist die Aneinanderreihung der Aussagen "positiv wertet der AvD das Pausenverhalten der Raucher", "im Durchschnitt legten die Raucher häufiger eine Pause ein als Nichtraucher" und "häufigere Pausen reduzieren das Unfallrisiko und erhöhen die Aufmerksamkeit". Ganz subtil soll hier also Stimmung zu Gunsten der Raucher gemacht werden, indem der Eindruck erweckt wird, dass Raucher durch ihre häufigeren Pausen die besseren Autofahrer darstellten.

Verschwiegen wird hier aber, dass diese Raucher vor jeder Pause weit mehr als eine Stunde auf Nikotinentzug stehen. Damit stellen sie eine erhöhte Verkehrsgefährdung dar, weil sie ständig an die nächste Kippe denken müssen und ihre Aufmerksamkeit dadurch nachhaltig beeinträchtigt wird. Die Darstellung des AvD ist also nicht nur eindeutig voreingenommen, sondern auch irreführend.

Der AvD forderte in den Pressemitteilungen früherer Jahre "Rücksicht und Höflichkeit statt Regulierung und Verbot". Damit werden Sinn und Zweck dieser nicht repräsentativen Umfrage klar, es geht in erster Linie darum, mögliche gesetzliche Regulierungen oder Verbote des Rauchens in Kraftfahrzeugen zu bekämpfen. British American Tobacco (BAT) spannt den Automobilclub von Deutschland für eigene Zwecke ein, um Lobbying für das Rauchen im Auto zu betreiben.

BAT erwähnt in seinem "Corporate Social Report 2006/07", in allen Bereichen in denen British American Tobacco Deutschland nicht "effektiv und glaubwürdig agieren kann ... in Kooperation mit anderen Unternehmen und Verbänden ... verantwortlich auf die gesellschaftlichen Erwartungen einzugehen und zur Problemlösung beizutragen." Oder anders formuliert: wo BAT seine Geschäftspolitik nicht glaubwürdig selbst vertreten kann, muss eben eine Marionette vorgeschoben werden, die diese Position als angeblich neutrale und unabhängige Instanz verkaufen und die ansonsten nicht gegebene Glaubwürdigkeit verleihen kann.

In dieses Schema passt auch die in einigen Fällen zweifelhafte Berichterstattung der Medien. Offensichtlich nicht ohne Grund verschweigen so manche Berichte über die Ergebnisse dieser AvD-Umfrage, dass British American Tobacco Auftraggeber und Sponsor ist. Diese augenscheinlich gezielte Unterlassung widerspricht dem Pressekodex über eine wahrheitsgemäße Berichterstattung.

Beispielsweise erweckt das Magazin Focus den Eindruck, dass die Umfrage eine unahbängige Aktion des AvD darstellt, was nicht den Tatsachen entspricht. Wer nur den Artikel des Focus liest und das Thema nicht weiter recherchiert, der wird über den Interessenkonflikt, der durch die Beteiligung des Tabakkonzerns und dessen Finanzierung gegeben ist, völlig im Dunkeln gelassen. Ist dies etwa von Focus-Chefredakteur Helmut Markwort beabsichtigt, der gerne zu Gast bei den Veranstaltungen der Tabakindustrie (z.B. Liberty-Award) ist...?

Am Ende seiner Meldung schreibt der AvD - um zumindest den Anschein einer kritischen Haltung zu erwecken - dass mehr als 11 Prozent der Raucher "offen zugeben, dass sie ihre Kippen aus dem Fenster 'entsorgen'", gefolgt von der halbherzigen Warnung, dass dies doch verboten sei. Immerhin erwähnt der AvD dabei, dass der Brand im Montblanc-Tunnel 1999 von einer weggeworfenen Zigarettenkippe verursacht worden war.

Aber selbst in diesem Zusammenhang erscheint die Meldung des Automobilclubs von Deutschland ein weiteres Mal als Ansammlung von Beschönigungen der dramatischen Folgen des Rauchens im Auto. So schreibt der AvD lapidar: "Je nach Situation ist mit unterschiedlichen Konsequenzen zu rechnen, von Verwarnungsgeldern bis hin zu Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung oder Brandstiftung." Der Club verliert jedoch kein Wort darüber, dass der Autofahrer, der im Montblanc-Tunnel die Kippe aus dem Fenster "entsorgt" hatte, zum Mörder an 39 Menschen wurde. Und dieser Mörder läuft (oder fährt) immer noch frei herum, anstatt dass ihm der Prozess gemacht würde. Nur ein Sicherheitschef des Tunnels und der LKW-Fahrer wurden verurteilt, während die eigentliche Ursache vertuscht und nach dem wahren Verursacher nicht einmal gefahndet wurde.


Quellen und weitere Informationen:

Anmerkungen:

Die Politik bekleckert sich in dieser Angelegenheit ebenfalls nicht mit Ruhm. Es ist schon seltsam, dass vor allem FDP-Politiker, aber auch viele Unionsmitglieder ausgerechnet beim Rauchen von Freiheit und Verbotswahn sprechen, wenn die Gesundheit und sogar Menschenleben auf dem Spiel stehen. Andererseits sind es jedoch genau diese Politiker, die den angeblich so mündigen Bürger immer mehr Gesetze aufbürden.

Genau solche Politiker "entmündigen" die Verkehrsteilnehmer mit Gurt- und Helmpflicht. Diese Politiker erfinden immer neue kompliziertere Vorschriften zur Ausführung von Kindersitzen im Auto, während sie jedoch gleichzeitig vehement eine Regelung des Rauchens im KFZ als angeblich inakzeptablen und unkontrollierbaren "Eingriff in die Privatsphäre" der Bürger ablehnen.

Wenn man die Ungereimheiten der Argumentation unserer Politiker gegenüber stellt, dann schleicht sich schnell die Befürchtung ein, so mancher wäre der Schizophrenie verfallen. Andererseits, könnte es nicht auch eiskalte Berechnung aus dem banalen Interesse heraus sein, auf das nächste Fest der Tabaklobby eingeladen zu werden...?

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