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Grünes Licht für Einheitsverpackung in Australien

Bildhafte Warnhinweise und Standardverpackung nehmen Zigarette den Reiz

[01.09.2012/pk] Der Oberste Gerichtshof in Australien hat am 15. August 2012 grünes Licht für die Einführung des so genannten "Plain Packaging" gegeben. Mit dem ergangenen letztinstanzlichen Urteil sind die internationalen Tabakgiganten British American Tobacco (BAT), Philip Morris, Japan Tobacco International und Imperial Tobacco nun endgültig mit ihrer Klage gegen die Australische Regierung gescheitert. Damit dürfen in Australien ab Dezember 2012 Zigaretten nur noch in einförmigen, neutral gestalteten Einheitsverpackungen verkauft werden, die zudem bildhafte Warnhinweise enthalten müssen.

Mit dem Urteil des Obersten Gerichtshofs ist nun der Rechtsweg für die Tabakdrogenhersteller erschöpft, die auch die Kosten des Verfahrens übernehmen müssen. BAT-Sprecher Scott McIntyre äußerte dazu, sein Konzern wolle dem Gesetz tatsächlich Folge leisten. Noch im vergangenen Jahr hatte BAT Australien mit einer Zigerettenknappheit gedroht, da angeblich die braunen Einheitsverpackungen nicht rechtzeitig in ausreichendem Umfang produziert werden können. Offensichtlich scheint es für die Tabakkonzerne nicht selbstverständlich zu sein, sich an gesetzliche Vorgaben zu halten. Angesichts des hinlänglich bekannten Geschäftsgebarens der Tabakindustrie darf bezweifelt werden, dass sie ihre wortreichen Ankündigungen auch wirklich und in vollem Umfang in die Tat umsetzt.

Die Tabakkonzerne hatten gegen die Einführung der Vorschrift geklagt, weil angeblich ihre Markenrechte verletzt würden. Erbittert hatten sie bis zuletzt gegen die neue gesetzliche Regelung gekämpft, denn die Packungsgestaltung stellt eines der wirksamsten Werbemittel der Tabakindustrie dar. Seit der Verabschiedung des Gesetzes in Australien hatten die Tabakmultis eine Reihe von Prozessen angezettelt, um eine gesetzliche Regelung zu verhindern.

Dieser verbitterte Kampf der internationalen Tabakmultis gegen die Einheitsverpackung ist auch ein interessanter Hinweis darauf, wie ernst es die Tabakindustrie mit ihrer "sozialen Verantwortung" meint, und welchen Stellenwert Gesundheitsinteressen gegenüber den eigenen Geschäftsinteressen einnehmen. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass die internationalen Tabakgiganten keineswegs am Hungertuch nagen. Für ihre Werbekampagnen und exzessive Gerichtsprozesse ist offensichtlich immer ein großzügiges Budget vorhanden. Die Opfer langjähriger Nikotinsucht hingegen, die eigenen langjährigen treuen Kunden, lässt die Tabakindustrie skrupellos einen langsamen und erbärmlichen Tod sterben.

Gesundheitsexperten rund um den Globus begrüßen die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in Australien. Deren Signalwirkung ist insbesondere für die Entwicklungs- und Schwellenländer von größter Bedeutung, wo die Tabakdrogenhersteller kaum in ihren Werbeaktivitäten eingeschränkt sind. Indonesien, das bislang kaum Schutz vor den Geschäftspraktiken der Zigarettenindustrie vorweisen kann, lobte das australische Gesetz als vorbildlich. Etliche Länder, darunter Neuseeland, Indien, Kanada und Großbritannien, hatten bereits im Vorfeld der Entscheidung angekündigt, diesem Beispiel folgen zu wollen.

Johannes Spatz, Sprecher des Forum Rauchfrei, kommentiert erfreut diese "großartige Entscheidung, die weltweiten Vorbildcharakter haben wird". Die Entscheidung habe gezeigt, "dass die Macht der Tabakkonzerne Grenzen kennt". Spatz forderte im Namen des Forum Rauchfrei die Bundesregierung auf, sich für Plain Packages innerhalb der EU einzusetzen und umgehend die ersten Schritte eines konsequenten Tabakwerbeverbots in Deutschland einzuleiten.

Trotz der formalen Äußerung, das australische Urteil akzeptieren zu wollen, scheinen die eingangs erwähnten Zweifel am Umsetzungswillen der Tabakindustrie berechtigt. Die Tabakkonzerne und ihre Lobby-Organisationen stänkern eifrig weiter gegen derartige Pläne. Laut British American Tobacco sei es angeblich zweifelhaft, "dass das Gesetz die Zahl der Raucher weiter einschränkt", wie die Welt berichtet. BAT behauptet, es gäbe "keinerlei Beweise, dass die Einheitsverpackung Einfluss darauf hat, ob jemand mit dem Rauchen anfängt oder nicht, auch bei Kindern nicht".

Marianne Tritz, Geschäftsführerin des Deutschen Zigarettenverbands (DZV), stößt ins gleiche Horn. Verbissen besteht sie darauf, "die Wirksamkeit solcher Einheitsverpackungen oder Bildhinweisen sei nicht bewiesen". Als Argumente zieht sie eines ihrer altbekannten Schreckgespenster aus dem Hut: angeblich dient eine solche Maßnahme "in erster Linie nicht dem Schutz der Bevölkerung, sondern spielt Zigarettenschmugglern und -fälschern in die Hände, da es nun für sie einfacher wird, mit gefälschten Tabakprodukten Geld zu verdienen".

Dabei kann jedoch gerade Australien eine äußerst erfolgreiche Tabakpolitik der letzten Jahrzehnte vorweisen, allen Unkenrufen und Weltuntergangsprophezeiungen der Tabaklobby zum Trotz. Werbung für Tabakwaren und Sponsoring durch die Tabakindustrie sind verboten. Belief sich die Raucherquote im Jahr 1983 von Männern noch auf 40, bei Frauen 32 Prozent, sanken diese Zahlen bis heute auf 16 beziehungsweise 14 Prozent.

Somit muss sich die Tabakindustrie die einfache Frage gefallen lassen, warum sie denn die Einheitsverpackung und die als "Schockbilder" herabgewürdigten bildhaften Warnhinweise so verbissen bekämpft, diese Maßnahmen angeblich wirkungslos sind...? Die Realität ist leider nicht immer erfreulich, vor allem nicht für diejenige Hälfte der Raucher, die ihrem Tabakkonsum vorzeitig und häufig qualvoll erliegen.

Während sich die gesundheitlichen Auswirkungen einer erfolgreichen Tabakkontrolle erst längerfristig signifikant bemerkbar machen, sind die Aktienbörsen ein unmittelbarer Indikator für deren Erfolgsaussichten. So sehen die Finanzanalysten der Citigroup in der Einheitsverpackung die "größte regulatorische Bedrohung für die Tabakindustrie". Als Reaktion auf das australische Urteil verloren die Aktien von Japan Tobacco fast fünf Prozent, British American Tobacco musste ebenfalls deutliche Verluste hinnehmen. Finanzexperten rechnen damit, dass "Einheitsverpackungen auch in Brasilien, Russland und Indonesien kommen und das Umsatzwachstum bremsen könnten", wie die Frankfurter Rundschau berichtet.

Es gibt jedoch - anders als von der Tabaklobby gebetsmühlenhaft behauptet - sogar eine ganze Reihe weiterer handfester und seriöser Belege für die Wirksamkeit der Einheitsverpackung mit bildhaften Warnhinweisen. Laut einer Studie der Universität Stirling aus dem Jahr 2011 werden insbesondere Jugendliche von der Packungsgestaltung sowohl angezogen als auch über die Stärke und Schädlichkeit der Tabakwaren getäuscht. Verstärkt werden diese Wirkungen durch neuartige Packungskonstruktionen (Form und Öffnungsmechanismus), und auch die Farbgestaltung spielt eine herausragende Rolle. Schlanke Verpackungen und Zigaretten, die häufig mit dem entsprechenden englischen Begriff "slim" beworben werden, sprechen beispielsweise in besonderem Maß junge Mädchen an, ebenso die Verwendung von Rosatönen bei der Verpackung. Diese Beeinflussung würde, so die Wissenschaftler, durch die Standardverpackung wegfallen.

In einer neueren Untersuchung beschäftigten sich Forscher der Universität Stirling mit der wissenschaftlichen Forschung zu Einheitspackungen für Tabakwaren und bildhaften Warnhinweisen. Dabei kamen sie zu der Erkenntnis, dass bereits mehr als drei Dutzend Studien die Wirksamkeit von Einheitspackungen belegen. All diese Studien zeigen, dass "Plain Packaging" dem Raucher auf dreierlei Weise hilft. Sie heben die Wahrnehmbarkeit der Gesundheitswarnungen hervor und unterstreichen deren Wirksamkeit. Die Verpackung, und damit auch das Produkt, wird weniger attraktiv. Und zu guter Letzt wird die (von der Tabakindustrie sicherlich gewünschte) Verwirrung über angeblich unterschiedliche Schädlichkeiten einzelner Tabakprodukt beseitigt. Nach Aussage der beteiligten Experten sind die Ergebnisse der indentifizierten Studien in ihren Ergebnissen konsistent und zeigen ein klares Bild von der Wirksamkeit dieser Maßnahme.

Eine weitere Studie zeigt besonders einfach, aber umso eindrucksvoller, dass Einheitspackung und Warnhinweise entgegen anders lautenden Behauptungen ihre gewünschte Wirkung entfalten. Ein Forscher-Team aus Mexiko und den USA ermittelte die Attraktivität diverser Zigarettenpackungen, indem sie eine Versteigerung veranstalteten. Die Schachteln wurden in vier verschiedenen Ausführungen angeboten:
  1. mit einem Warntext auf 50 Prozent der Vorderseite
  2. mit mem gleichen Warntext auf jeweils 50 Prozent der Vorder- und Rückseite
  3. mit dem Text mit einem bildhaften Warnhinweis auf jeweils der Hälfte von Vorder- und Rückseite
  4. Einheitverpackung ohne Markendesign, mit bildhaftem Warnhinweis (jeweils 50 Prozent der Vorder- und Rückseite)
Die durchschnittlichen Gebote der Auktionsteilnehmer nahmen von der ersten bis zur letzten Variante von 3,52 US-Dollar auf 2,93 US-Dollar ab. Die beiden Varianten ohne Warnbild unterschieden sich nur leicht. Signifikant geringer war jedoch die Nachfrage nach den Packungen mit bildhaftem Warnhinweis, wobei der Abstand bei der Einheitpackung am größten ausfiel. Entsprechend empfehlen Suchtpräventionsexperten den Gesetzgebern, neben den bildhaften Warnhinweisen eine einheitliche Packungsform und -gestaltung (Farbe, genormte Schrift) für Tabakwaren vorzuschreiben. Entsprechende Empfehlungen sind im WHO-Rahmenabkommen zur Tabakprävention enthalten, dem sich eine überwältigende Mehrheit aller Staaten vertraglich verpflichtet hat.

Fazit: Die Tabakindustrie mag ihren Feldzug gegen Einheitspackungen und Schockbilder weiter führen. Die positive Wirkung dieser Maßnahmen zur Eindämmung des Tabakdrogenkonsums ist inzwischen wissenschaftlich anerkannt. Einige verbohrte Nikotinanhänger mögen trotzig darauf beharren, ihre Sucht auch durch Schockbilder auf den Kippenpackungen nicht abzulegen. Gerade junge Menschen, die besonders anfällig für die Verführungen der Tabakdrogenindustrie sind, überlegen jedoch zweimal, ob das Rauchen wirklich so cool und harmlos ist, wie es ihnen die Werbung weismachen will.


Quellen und weitere Informationen:

Beschwerdeautomat
Gesundheitsgefährdung durch Passivrauchen
Petition und Politikeranschreiben für rauchfreie Krankenhäuser
Internat. Tabakpolitik
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