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Tabakindustrie will bei Entwöhnung mitmischen

Perfide Geschäftsidee: Killer mit eigenen Erste-Hilfe-Produkten

[16.01.2010/pk] Reynolds American Inc., Mutterkonzern des Zigarettenproduzenten R.J. Reynolds und zweitgrößter Tabakwarenhersteller der Welt, hat im vergangenen Dezember die Firma Niconovum AB vollständig übernommen. Für einen Kaufpreis von 310 Millionen Schwedischen Kronen (umgerechnet etwas mehr 30 Millionen Euro) wurden alle Anteile des schwedischen Herstellers von Nikotinersatzprodukten erworben. Niconovum wurde im Jahr 2000 von Karl Olov Fagerström, Entwickler des Fagerström-Tests für Nikotinabhängigkeit, gegründet. Die Firma ist laut Selbstdarstellung "einer der führenden Experten der Welt für Raucherentwöhnung und Nikotinabhängigkeit".

Vordergründig versucht der Tabakdrogenproduzent damit die Kritiker zu beschwichtigen, indem ausstiegswilligen Rauchern vorgeblich Hilfe zur Erreichung dieses schwierigen Ziels geleistet wird. Susan M. Ivey, Reynolds-American-Chefin, unterstreicht das "große Potenzial der Niconovum-Produkte für die Ziele der öffentlichen Gesundheit" und stellt die Firmenaquisition als "Erweiterung der Schadensminderungsstrategie" dar, die Reynolds American und Tochterfirmen in den vergangenen Jahren entwickelt hätten.

An wirklicher Schadensminimierung ist der Nikotindrogenindustrie jedoch offensichtlich nicht gelegen. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Würden die Tabakdrogenproduzenten auf ammoniakhaltige Zusätze (die sich unter anderem in scheinbar so harmlosen Stoffen wie Lakritze verstecken) verzichten, so wäre die Wirkung weitaus größer, als sie sämtliche Entwöhnungshilfen leisten könnten. Anstatt derartige die Suchtwirkung des Nikotins verstärkenden Substanzen jedoch aus ihren Tabakprodukten zu verbannen, und damit den Rauchern überhaupt erst in großem Rahmen eine reelle Chance im Kampf gegen die Sucht zu geben, wollen die Tabakdrogenproduzenten noch mehr Geld aus den sowieso schon arg gebeutelten Rauchern herausschinden, indem sie ihnen "Entwöhnungshilfen" verkaufen.

Es besteht der dringende Verdacht, wenn man sich die bisherigen Geschäftspraktiken der Tabakindustrie betrachtet, dass diese im Zweifelsfall schon dafür sorgen wird, dass diese "Entwöhnungshilfen" nicht allzu gut funktionieren. Und falls sich die Öffentlichkeit diesbezüglich nicht so einfach täuschen lässt, dann werden die lästigen Produkte zur Nikotinentwöhnung einfach eingestampft - durch die exorbitanten Gewinne aus dem Tabakdrogengeschäft wäre das für Reynolds kein ernsthaftes Problem.

Da ohnehin ein recht großer Anteil der Raucher mit der Nikotinsucht unzufrieden und ernsthaft bemüht ist, das ungesunde Laster wieder loszuwerden, hat die Tabakindustrie ein großes Interesse daran, derartige Fluchtversuche so früh wie möglich zu sabotieren. An einer Spirale von Sucht und erfolgloser Entwöhnung kann sich der Hersteller beider Produkte eine goldene Nase verdienen. Mit dem jüngsten Übernahme-Deal erhält der Reynolds-Konzern auf jeden Fall noch mehr Kontrolle über seine Melkkuh, den Raucher.

David Sweanor, vormals Berater der "Canada's Non-Smokers' Rights Association", zeigte in einem Interview mit ABC News eine ebenfalls denkbare Variante auf, die das Geschäft mit Nikotinersatzprodukten für die Tabakindustrie besonders lukrativ machen könnte: Reynolds würde davon profitieren, die Produkte der Firma Niconovum in Langzeit-Ersatzprodukte umzuwandeln, die der Konsument über einen Zeitraum von Monaten oder Jahren einnimmt, anstatt nur für einige Wochen. Wer dem Glimmstängel abtrünnig werden will, der soll nun möglichst lange dafür bezahlen, indem er dauerhaft an Nikotinpräparate gebunden wird, die als Entwöhnungshilfen getarnt sind.

Dieser Gedanke ist in der Tat nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick erscheint. Denn wie bereits eingangs erwähnt ist schließlich gerade die Tabakindustrie dafür bekannt, durch trickreiches "Produktdesign" ihre Glimmstängel so zu manipulieren, dass deren Konsumenten immer tiefer in die Sucht getrieben werden. Dass die viel beworbene "Freiheit des mündigen Rauchers" dadurch unterwandert, letztendlich sogar unser Grundgesetz mit Füßen getreten wird, hat die Nikotindrogenhersteller schon in den letzten Jahrzehnten nicht am Einsatz solcher unmoralischen und undemokratischen Methoden gehindert.

Schließlich hat die Tabakindustrie die Ergebnisse ihrer eigenen Forschungen über die Suchtwirkung des Nikotins und die Schädlichkeit der Zigarette nicht etwa zum Nutzen des Kunden verwendet. Statt dessen hat die Tabakindustrie die Verbreitung dieser, aus ihrer Sicht unerwünschten, Erkenntnisse durch geschicktes Marketing und systematische Desinformation bekämpft. Und das standardisierte Messverfahren zur Bestimmung des Nikotingehalts wurde durch die Entwicklung der "elastischen Zigarette" ausgehebelt, die einem realen Raucher deutlich mehr Nikotin zuführt als die niedrigen Messwerte suggerieren. Somit ist zu befürchten, dass die Tabakindustrie als neuer Eigentümer die Erkenntnisse der Firma Niconovum nicht etwa dazu benutzt, um Rauchern tatsächlich beim Ausstieg zu helfen. Im Gegenteil besteht die Gefahr, dass sie ihre Tabakprodukte noch mehr darauf trimmt, jeglichen Versuch einer Entwöhnung möglichst schnell und wirkungsvoll wieder zu beenden.

Angesichts des aggressiven Marketings für die so genannte elektronische Zigarette ist ein weiterer Aspekt denkbar, der die Zigarettendreher von Reynolds zu diesem nur vordergründig überraschenden Firmenkauf motiviert haben könnte. Die "E-Zigarette", die auch als "Hilfsmittel zur Nikotinentwöhnung" angepriesen wird, verabreicht dem Konsumenten ebenfalls Nikotin, nur ohne den beim Rauchen üblichen Verbrennungsprozess des Tabaks. Ein Hersteller für Entwöhnungsprodukte wäre doch der perfekte Deckmantel für die Tabakindustrie, um unauffällig in dieses lukrative Geschäftsfeld einzusteigen.

Die Zigarettenhersteller können sich somit weiterhin auf ihrem gewohnten Geschäftsfeld tummeln, und müssen dabei nicht einmal die Droge (Nikotin) wechseln. Je stärker das Rauchen wegen seiner Gefährlichkeit reguliert, eingeschränkt und sowieso unpopulär wird, desto einfacher kann so der allgemeine Drogenkonsum über nikotinhaltige Ausweichprodukte aufrecht erhalten werden. Die Tabakindustrie kann weiterhin die Menschen mit der Nikotindroge in die Sucht treiben, und sie eines wohldosierten langsamen Todes sterben lassen - nur die Form der Verabreichung wird geändert. Denn mit keinem anderen Produkt lässt sich so einfach so viel Geld vedienen wie mit Drogen.

Das große Interesse der Nikotindrogenhersteller an alternativen Nikotindrogenprodukten wird durch weitere Firmenübernahmen demonstriert. Reynold America kaufte im Jahr 2006 die "Conwood Company", einen Hersteller so genannter rauchfreier Tabakprodukte. Der Erzrivale und weltweit die unangefochtene Nummer Eins im Tabakdrogengeschäft, Philip Morris, übernahm im vergangenen Jahr "U.S. Tobacco", die hinter Copenhagen and Skoal, den führenden Marken "rauchfreier" Tabakwaren steht. Auch wenn die "rauchlosen" Tabakwaren bislang nur auf einen vergleichbar kleinen Marktanteil kommen, so können sie jedoch im Gegensatz zur immer mehr verpönten Zigarette stetige Wachstumsraten vorweisen.

Fazit: Die Tabakindustrie als Helfer bei der Entwöhnung? Eine geradezu perfide Geschäftsidee. Das ist vergleichbar mit einem Killer, der mit einem Maschinengewehr auf Menschen schießt, um anschließend das große Geschäft mit Pflastern, Wundverbänden und Schmerzmitteln zu machen. Wenn man die Menschen nicht sofort umbringt, dann kann man sie am längsten schröpfen. Die Tabakindustrie, die inzwischen zum "sozialen Paria" verkommen ist, weil sie ein Produkt verkauft, das die Hälfte ihrer Kunden tötet, will sich auch in Zukunft am Nikotindrogengeschäft bereichern, und zudem ihr Image durch vermeintliche Hilfsangebote aufpolieren.


Quellen und weitere Informationen:

Beschwerdeautomat
Gesundheitsgefährdung durch Passivrauchen
Petition und Politikeranschreiben für rauchfreie Krankenhäuser
Tabakindustrie
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Sponsoring des ZDF-Sommerfests durch Philip Morris
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