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Philip Morris gegen Uruguay

Tödlicher Angriff der Tabakriesen


Globalisierung: Internationale Tabakmafia in Indien

Millionen indische Kinder tabakabhängig

[23.08.2008/pk] In den westlichen Industrienationen haben die verbesserte Aufklärung der Bevölkerung über die Schädlichkeit von Tabakprodukten sowie ein wachsendes Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein dazu geführt, dass der Tabakindustrie auf diesen Märkten ein immer schärferer Wind ins Gesicht bläst. Um diese Entwicklung zu kompensieren, konzentrieren sich die Tabakdrogenproduzenten zunehmend auf Dritte-Welt-Länder.

Dort ist der Bildungsstandard meist geringer und die Verfügbarkeit von Informationen oft stark eingeschränkt. Die Menschen wissen kaum Bescheid über die Vielzahl Krebs erregender Substanzen im Tabakrauch, und so sind sie anfälliger für die vermeintlichen Verlockungen der Tabakdrogen. Verbraucherrechte sind in diesen Ländern häufig ein Fremdwort, und der vielfach fehlende Zugang zu Informationsquellen liefert die Bevölkerung den Manipulationen der Marketingstrategen schutzlos aus.

Die in Europa und Nordamerika mit zweifelhaften Methoden bereits vielfach in die Kritik geratenen Tabakmultis scheuen nicht davor zurück, ihre Machenschaften auch in ärmeren Ländern mit schwächeren Rechtsstrukturen zu praktizieren. Ein Beispiel dafür, über das leider nur in ausländischen Medien berichtet wurde, stellen die offensichtlichen Verletzungen der indischen Tabakkontrollgesetze durch die lokale Philip-Morris-Niederlassung dar.

Die Assam Times berichtete von unverhohlen Gesetzesübertretungen in Goa durch Werbung der indischen Tochtergesellschaft des Philip-Morris-Konzerns, und führt dafür Beweisfotos an. Das im Jahr 2003 verabschiedete Gesetz zur Regulierung von Zigaretten und anderen Tabakprodukten in Indien trat am 1. Januar 2006 in Kraft. Es sieht klare und unmittelbare Maßnahmen des Staates gegen Werbung für Tabakprodukte und das Rauchen vor. Das Gesetz legt ganz klar fest, dass an Verkaufsstellen von Tabakwaren keine Markennamen und keinerlei Werbebotschaften und -bilder gestattet sind. Die Werbetafeln von Philip Morris in Goa verstoßen ganz klar gegen diese Regelung.

Der Generalsekretär der National Organization for Tobacco Eradication - NOTE India, Dr. Shekhar Salkar, kritisiert diese unverfrorene Missachtung des Gesetzes und Verhöhnung der öffentlichen Gesundheit, und forderte in einem Brief an die indische Philip-Morris-Tochter eine bedingungslose Entschuldigung.

Auch von der Weltgesundheitsorganisation WHO wird immer wieder das Unterlaufen der Tabakkontrollgesetze in vielen Ländern kritisiert. Die Organisation Corporate Accountability International beklagt, dass "Philip Morris/Altria, British American Tobacco (BAT) und Japan Tobacco (JT) ihren politischen Einfluss einsetzen, um Tabakkontrollgesetze rund um den Globus zu schwächen, zu verzögern und zu vereiteln. Obwohl die Industrie behauptet, sich gebessert zu haben, setzt sie auch weiterhin ihre raffinierten Methoden zur Unterwanderung wichtiger Gesetze ein."

Welchen Schaden die meist international operierenden Tabakmultis in Indien bereits angerichtet haben, zeigt ein Artikel der India Times. Dr. Pankaj Chaturvedi, Professor am Tata Memorial Hospital in Lucknow, verwendete einen eindrucksvollen Vergleich, um die Bedeutung und das Ausmaß der Tabakepidemie auf dem indischen Subkontinent zu veranschaulichen: "Die Zahl der Todesfälle auf Grund von tabakbedingten Erkrankungen - eine Million - beläuft sich auf das Vierfache der Todesopfer der Tsunami-Katastrophe. Wenn Tabak keine Waffe zur Massenvernichtung ist, was sonst wäre als solche zu bezeichnen?"

Zur Untermauerung dieser Behauptung sei hier ein für Indien wichtiges Beispiel angeführt: über siebzig Prozent aller Tuberkulose-Erkrankungen bei Männern werden durch das Rauchen ausgelöst. Die Dringlichkeit wirksamer Maßnahmen zur Eindämmung der Tabakepidemie in Indien lässt sich aber auch ganz besonders an den jüngsten Opfern der Tabakindustrie, den Kindern, ermessen. Denn gerade sie fallen immer häufiger den (nicht nur unter ethischen Gesichtspunkten) höchst zweifelhaften Geschäftspraktiken der Tabakundistrie zum Opfer.

In Indien beginnen täglich mehr als 55.000 Kinder mit dem Rauchen, bereits 5 Millionen Kinder unter 15 Jahren sind abhängig von Gutka, der auf dem Subkontinent verbreiteten Form des Kautabaks. Dieser Trend wird besonders durch die Propagierung so genannter rauchloser Tabakprodukte verstärkt, die von den Produzenten als weniger schädlich (im Vergleich zu Rauchtabak) dargestellt werden. Derartige Kampagnen werden von der Tabakindustrie weltweit forciert, um der erdrückenden Faktenlage über die Schädlichkeit des Rauchens auszuweichen.

Gutka wird als harmlose Erfrischung angeboten, und damit in großen Mengen von unwissenden und ahnungslosen Kindern konsumiert. In manchen Gegenden wird Gutka von einer deutlichen Mehrheit der Kinder gekaut. Eine Erhebung der Indian Dental Association (IDA) ermittelte, dass zwischen 10 und 40 Prozent der Schüler in Mumbai (früher Bombay) Gutka und Paan Masala kauen, bei den College-Studenten sind es sogar 70 Prozent.

Oft fehlt den verkauften Produkten sogar jeglicher Hinweis, dass sie Tabak enthalten. Die Folgen sind gravierend. Erhebungen in Uttar Pradesh und Madhya Pradesh stellten bei 16 Prozent der Kinder bereits die Vorstufe von Mundkrebs fest. Das Alter der Opfer von Oralkrebs sinkt weiter, und liegt signifikant niedriger als im Rest der Welt.

Film und Medien sind auch in Indien willfährige Gehilfen der Tabakindustrie. Die WHO hatte 440 Bollywood-Filme aus den Jahren 1991 bis 2002 untersucht. Das erschreckende Ergebnis: fast Dreiviertel aller Filme zeigten Tabakkonsum, meistens in Form von Zigarettenrauchen, und trugen damit zur Verharmlosung der tödlichen Drogen bei.

Während anfänglich nur die Schurken auf dem Schirm als Raucher gezeigt wurden, präsentierten sich immer mehr Hauptdarsteller als Werbefiguren für Tabakdrogen. Der international bekannte Superstar Shah Rukh Khan wurde 109-mal beim Rauchen auf der Leinwand ertappt. Die südindische Legende Rajnikant zeigte sich mit 103 qualmenden Filmauftritten ebenso verantwortungslos.

Doch selbst indische Superstars können durch ihre Vaterrolle hinzulernen und einen Hoffnungsschimmer geben: Shah Rukh Khan hat nach fast zwanzig Jahren als Kettenraucher erklärt, seinen Kindern zuliebe mit dem Rauchen aufhören zu wollen. Der Schauspieler äußerte in einem Interview: "Sie hassen es wenn ich rauche. Für mich ist das ein Zeichen."


Quellen und weitere Informationen:

Beschwerdeautomat
Petition zum Erlass eines generellen Rauchverbots an Schulen
Petition für ein Verbot von Tabakautomaten zur Durchsetzung des Jugendschutzes
Beschwerde über illegale Tabakwarenautomaten in Schulnähe
Beschwerde über BDTA wegen Nichtentfernens von Tabakwarenautomaten in Schulnähe
Anzeige wegen jugendgefährdender Tabakwerbung
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